SIEGFRIED in Zürich

SIEGFRIED

Siegfried ist der Titel einer Oper von Richard Wagner, die zusammen mit den drei Opern Das RheingoldDie Walküre und Götterdämmerung das Gesamtwerk Der Ring des Nibelungen bildet, ein „Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend“. Siegfried wird am vorletzten Tag aufgeführt. Die Uraufführung fand am 16. August 1876 im Bayreuther Festspielhaus unter der Leitung von Hans Richter statt.

Musikalische Leitung: Gianandrea Noseda
Siegfried: Klaus Florian Vogt
Mime: Wolfgang Ablinger-Sperrhacke
Der Wanderer: Tomasz Konieczny
Alberich: Christopher Purves
Fafner: David Leigh
Erda: Anna Danik
Brünnhilde: Camilla Nylund
Das Waldvöglein: Rebeca Olvera

Inszenierung:  Andreas Homoki
Ausstattung: Christian Schmidt

Music 4****
Direction 4****

Mit der Premiere von Siegfried, dem zweiten Tag von Richard Wagners Bühnenfestspiel «Der Ring des Nibelungen» ging die Neuinszenierung der monumentalen Tetralogie am Opernhaus Zürich in die dritte Runde.

Wie bereits bei den beiden ersten Abenden lag dabei der musikalische Fokus auf der mitreißenden musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Gianandrea Noseda. Noseda entlockte dem prächtig disponierten Orchester vom Vorspiel an gewaltige Klangfluten und -farben und erzeugte so einen Spannungsbogen, den er bis zum Schluss, der leidenschaftlichen Liebesszene von Siegfried und Brünnhilde aufrechterhalten konnte. Aus dem gleichzeitig transparent gehalten Orchesterklang, schienen packend die zahlreichen Leitmotive hervor, ließen die dumpfen Tubenklänge den Lindwurm Fafner auf beeindruckende Weise musikalisch entstehen, während die Poesie des «Waldwebens» im zweiten Aufzug hiervon meisterhaft abgegrenzt wurde. Auch betonte Noseda den stilistischen Bruch der Musik zwischen dem zweiten und dritten Aufzug – hatte doch Wagner an dieser Stelle die Arbeit am «Ring» für mehr als ein Jahrzehnt unterbrochen.

Siegfried

In der Titelrolle des Siegfrieds gab in Zürich der im Wagnerfach vielbeschäftigte Klaus-Florian Vogt sein Rollendebüt. Dem Rezensenten ist bewusst, dass Vogt mit seinem charakteristischen, hellen, jedoch außergewöhnlich klaren Timbre immer die Wagnerianer-Gemeinschaft polarisieren wird. Wie sich der Sänger jedoch mit Vollengagement darstellerisch in die Rolle des jungen Helden, der das Fürchten noch nicht gelernt hat, hineinwarf und diese in seinem Spiel durchdrang, ist wirklich einzigartig. Da war es wahrlich eine Freude mitanzusehen, mit welcher Kraft und Leidenschaft dieser Siegfried beim Schmieden seines Schwertes mit dem Hammer auf dem Amboss schlug. Gerade bei diesen «Schmiedeliedern» konnte Vogt seine Stimme auch voller Kraft zum Einsatz bringen, um im zweiten und dritten Aufzug, gerade beim Erwecken der Brünnhilde, die lyrischen und damit sensiblen Qualitäten des Siegfrieds musikalisch zum Ausdruck zu bringen. Mit strahlender Höhe, sicher fließendem Atem, sowie grösster Leidenschaft begrüßte Camilla Nylund als Brünnhilde die Sonne und das Licht und geriet zum finalen Liebesduett in die von Wagner so wunderbar komponierte musikalische Ekstase. Darstellerisch zeichnete die Ausnahmesängerin mit ihrem psychologisch klug und fein aufgebauten Spiel, die liebende, nach langem Schlaf erwachte Frau auf berührende Weise.

Siegfried
Siegfried

Thomasz Konieczny als Wotan/Wanderer konnte auch an diesem Abend von seiner langjährigen Beschäftigung mit dem Göttervater profitieren, wobei er mit mächtigem Bassbariton beeindruckend auftrumpfte. Dabei bewies er eine außergewöhnliche Textverständlichkeit und zeigte die sarkastisch-humorvollen Seiten der Partie, deren Tragödie ja im dritten Aufzug in der Begegnung mit der Urmutter Erda ihren Höhepunkt findet. Dieser wurde von der mit mächtigem, dramatischen Alt von Anna Danik bewegend mitgestaltet. Ausgezeichnet, ebenfalls voller sarkastischem Humor und großartiger Artikulation gab Wolfgang Ablinger-Sperrhacke die äußerst anspruchsvolle Charakter-Tenorpartie des Nibelungen-Schmiedes Mime, dessen Auseinandersetzung mit seinem Bruder Alberich, besetzt mit dem bewegend singend und spielenden Christopher Purves, höchsten Unterhaltungswert besaß. David Leigh verlieh dem Drachen Fafner mit beeindruckend aus dem Off orgelnden schwarzem Bass eine bedrohliche Note, um in dessen Sterbensszene nach dem Drachenkampf, wieder als Mensch auf der Bühne kommend, mit warm strömendem Bass zutiefst zu berühren. Ganz oben in der Gunst des Publikums stand am besuchten Abend Rebeca Olvera als Waldvöglein, die mit blitzsauberen Koloraturen und imposantem Flügelschlag, Siegfried so manche Weisheiten zu zwitscherte.

Siegfried

Intendant Andreas Homoki bleibt auch beim Siegfried gemeinsam mit Ausstatter Christian Schmidt seinem Konzept der beiden ersten Abende treu. Das diesmal auf der Drehbühne schwarz gefärbte «Erzählzimmer» aus der Zeit Richard Wagners, führte dieses Mal in eine Art Unterwelt, mit überdimensionalen umgestürzten Möbeln zwischen denen sich die Phantasie-Figuren von Wagners Welt bestens entfalten können. Viele schön ausgearbeitete Details tragen dabei zum Verständnis der Handlung bei. Für grosse Freude sorgten im ersten Aufzug das Auftreten eines Bären, sowie natürlich der mit großem Aufwand durch die Werkstätten entworfenen Drachen, denen für diese Leistung ein Extralob gebührt. Und so endete der auch als Scherzo des Rings bezeichnete Siegfried in hellem Licht in dem zur Schlussszene für Siegfried und Brünnhilde hereingefahrenen Bett in jubelnder Ekstase. Diese Schlussstimmung wurde vom Publikum aufgegriffen, das allen Beteiligten überschwängliche stehende Ovationen spendete.

  Marco Aranowicz

Der Freischütz
2.5 6 votes
Article Rating
Marco Aranowicz

DEPUTY CHIEF EDITOR AND REVIEWER

MARCO ARANOWICZ IS BASED IN ZURICH. HE IS GOING TO THE OPERA SINCE THE AGE OF TEN, AND HE LIVES FOR THE GREAT ITALIAN OPERA REPERTORY.

No Older Articles
No Newer Articles
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
1 Kommentar
Newest
Oldest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
Peter
Peter
5 Monate zuvor

Vogt has never been a Wagnerian tenor nor will he ever be one. Shame on those who cast him!