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Die Bassariden, Opera seria in einem Akt mit einem Intermezzo, ist eine Literaturoper von Hans Werner Henze, basierend auf der Tragödie Die Bakchen des Euripides;. Das Libretto stammt von W. H. Auden und Chester Kallman. Uraufführung am 6. August 1966 im Großen Festspielhaus Salzburg.  Besuchte Aufführung 13. Oktober 2019.
 

Dionysus: Sean Panikkar
Pentheus, König von Theben: Günter Papendell
Cadmos, sein Grossvater: Jens Larsen
Agave, Tochter des Cadmus und Pentheus’ Mutter: Tanja Ariane Baumgartner
Autonoe, ihre Schwester: Vera-Lotte Boecker
Tiresias, ein alter blinder Seher: Ivan Turšić
Captain of the royal guard: Tom Erik Lie
Beroe, Amme der Semele und des Pentheus: Margarita Nekrasova

Chorsolisten der Komischen Oper Berlin
Vocalconsort Berlin
Orchester der Komischen Oper Berlin
Musikalische Leitung: Vladimir Jurowski
Inszenierung: Barrie Kosky

 

Muziek:
Regie:

Chefregisseur Barrie Kosky und Dirigent Vladimir Jurowski haben vier Spielzeiten nach ihrem umjubelten Zwölftonstück Moses und Aron von Arnold Schönberg ein weiteres biblisches Monumentalwerk auf die Bühne der Komischen Oper gebracht. Für den gigantischen Orchesterapparat ist der Orchestergraben zu klein, weshalb Teile des Orchesters, Fagotte, Klarinetten, Flöten, Hörner, Gitarren, Mandolinen, Trompeten und Posaunen zusammen mit den Chorsolisten seitlich zu beiden Seiten der Bühne treppenförmig platziert wurden.

Foto: Monika Rittershaus

Im Programmheft auf Seite drei unter dem Stammbaum mit Dionysus, Sohn der Semele und des Zeus und Pentheus, Sohn von Agave und Echion veranschaulicht eine Orchester-Skizze die Platzierung. Das ist hilfreich. Bei über 200 Akteuren verliert der Zuschauer schnell den Überblick. Das Programmheft ist ein Muss.

Kein Vorhang geht hoch. Die Darsteller tummeln sich bereits auf der Bühne, schwarz gewandet der Chor. In Anzügen die Tänzer, vier Frauen und sechs Männer. Blumenmuster, Pepita, Glencheck, Karo. Später werden sie sich ausziehen und Sixpacks (die Herren) und Bauchmuskeln (die Damen) spielen lassen. Für 20 Minuten wird ihr Tanz mit Slapstick und Klamauk die auf die Katastrophe zusteuernde Handlung unterbrechen, den Abend durch diesen Bruch grandios bereichern und die schwächelnden Zuschauer wiederbeleben. Henze hatte dieses Intermezzo später gestrichen. Barrie Kosky spielt es, „weil es der Anfang von Komödie und Operette ist. Mitten im Reigen einer erschütternden Tragödie mit Krieg, Mord, Totschlag setzten die alten Griechen mit dem Satyrspiel ein leichtes Unterhaltungsstück mit lüsternen Mischwesen, halb Mensch, halb Tier, betrunken, fast nackt, mit erigierten Penissen und Pferdeschwänzen.“

Das Saallicht bleibt während der ganzen Vorstellung an. Ausstatterin Katrin Lea Tag konzipiert den Abend in einem großen Raum. Solisten, Chor, Orchester, Dirigent, Tänzer und Publikum vereint in einem griechischen Amphitheater. „Der dionysische Klang ist das Zentrum des Stücks“, so Barrie Kosky. „Der Dirigent schickt ihn in den Raum, ohne Trennung zwischen Darstellern und Zuschauern.“ Für Kosky bedeutet das „There´s no way to hide! Du kannst dich nicht verstecken.“ Zwei Stunden zwanzig Minuten lang. Nach 55 Minuten verließen die ersten Zuschauer den fast ausverkauften Saal. Ich hatte das Gefühl, die Zeit bleibt stehen. Um mich herum waren viele Augen geschlossen. Trotz der hochemotionalen Passagen mit überwältigenden Klang-Eruptionen.

Foto: Monika Rittershaus

Gegenwart

Ein Pentheus und ein Dionysos leben in jedem Menschen, sagt Hans Werner Henze in einem Interview im Jahr der Uraufführung 1966. Für den damals 40 jährigen Komponisten war die Oper eine Befreiung, rauschhaft, ein Zulassen des Dionysos in sich. Herzstück der Oper ist das Aufeinandertreffen zwischen Pentheus und einem Fremden, der sich später als Gott Dionysos zu erkennen gibt. Der eine rigide und gewalttätig, der andere ein von Rache getriebener Verführer. Dionysos will den Tod seiner Mutter rächen. Die Mutter-Sohn-Thematik bildet das zweite große Motiv der Oper. Mann und Frau, die weibliche und die männliche Seite, hermaphroditische Züge, Entfesselung menschlicher Triebe. Das Stück ist Tragödie, Trauersinfonie und Requiem zugleich.

Beide Prinzipien werden einander gegenüber gestellt. Spröde Bläserfanfaren treffen auf den betörenden Gesang des Fremden. Eine viersätzige Sinfonie ohne Pause. Gesungen wird auf Englisch, „weil Auden und Kallmann es auf Englisch geschrieben haben.“ Pentheus ist ein König, der Mönch wird, auf Sinnlichkeit verzichtet. Dionysos ist reine Lust. Karge Klänge und Akkorde stehen Dur-Dreiklängen und Septakkorden gegenüber. In der Vorlage von Euripides „Bakchen“ sind es gleich zwei Familiendramen: hier nur eines. Dionysos trägt weibliche und männliche Züge. Frauen werden zu Furien, Männer entdecken ihre Weiblichkeit. Dionysus küsst voller Leidenschaft Pentheus.

Gesanglich ist der Abend eine Sensation, Sean Panikkar eine stimmliche Offenbarung und betörend sinnlich mit seinem Pendant Günter Papendell als Pentheus. Vladimir Jurowski gibt alles. Sein Orchester spielt mal voller Kraft, dann wieder leise. Diesen Opern-Tsunami sollte man sich nicht entgehen lassen.

Blutig geht es am Schluß zu. Die Mutter hat ihr eigenes Kind umgebracht. Wirr steht sie mit Beil auf der Bühne.

Die geblieben sind, durften an diesem Abend ganz große Oper erleben. Tosender Applaus für alle Mitwirkenden.

Daniela Debus
(publiziert am 15. Oktober 2019)

Weitere Vorstellungen am 17. und 20.10., 2., 5. und 10.11. und am 26.6.2020

Daniela Debus
Daniela Debus

Reviewer

Daniela Debus is an art historian, cultural journalist and author. Location Berlin. Wrote a book about Salomé (Hirmer Verlag). For Opera Gazet, she reviews Berlin's opera premieres.

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Excellent review of an impressive event !