Innerhalb der traditioneller orientierten Opern-Regisseure nimmt er eine Art Sonderstellung ein: der 1937 in Berlin geborene Peter Stein, der wohl derzeit prominenteste Aussteiger aus der Regietheater-Szene. Mit markiger Kritik an Letzterer ist Stein in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen: “Inzwischen kann jeder am Theater machen, was er will, aber in der ganzen Welt wird das deutsche Regietheater verlacht” , hieß es in einem Interview mit dem Tagesspiegel, auch hätten die “Schauspieler Angst, dass sie mit Scheisse beschmiert werden oder an der Rampe eine halbe Stunde lang wichsen müssen”.

 

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Das war nicht immer so, denn der am Sprechtheater groß gewordene Peter Stein galt in seiner Jugend neben Peter Zadek als der Hauptvertreter der Generation der 68er am Theater. Seine erste Inszenierung an den Münchner Kammerspielen von Edward Bonds Gerettet 1967 wurde von der liberalen Zeitschrift “Theater Heute” bejubelt, eine Spendensammlung nach einer Aufführung des Vietnam-Diskurses führte dort jedoch zum Rauswurf durch den Intendanten August Everding. Seit den 70er Jahren prägte Stein die Berliner Theaterszene, sein Regiestil war dabei stets von Gedankengut der 68er Generation geprägt, die heutige Schaubühne am Leniner Platz ist maßgeblich das Ergebnis seiner Theaterarbeit.

Peter Stein
Don Carlo, Salzburg 2013, Regie Peter Stein. © Monika Rittershaus

Salzburger Festspiele

In dieser Zeit begann auch die Zusammenarbeit mit Schauspielern wie Edith Clever, Udo Samel oder Bruno Ganz. Von 1991 bis 1997 leitete Stein das Schauspiel der Salzburger Festspiele, wobei er sich zunächst auf die Inszenierung von Shakespeare-Werken konzentrierte. Erst als er 1996 in Salzburg Moses und Aron und ein Jahr später Wozzeck inszenierte wandte er sich auch der Oper zu. In dieser Zeit war überraschenderweise erstmals ein Wandel in der Regie-Ästhetik Steins zu sehen. Sein zu den Salzburger Osterfestspielen 2000 erstmals ins Salzburg gezeigter Simon Boccanegra, der sich bis heute mit Erfolg im Repertoire der Wiener Staatsoper befindet, erfreute mit historischen Kostümen und klaren, einfach gehaltenen Bühnenbildern, der Parsifal 2001 mit Claudio Abbado 2001 in Salzburg, führte erstmals zu schlechten Kritiken – die Regie wurde als “zu altbacken” beurteilt. Seitdem ist Peter Stein ganz auf den Wegen der traditionellen Opernregie unterwegs.

Macbeth. Salzburg 2011. Peter Stein, Riccardo Muti.
Nicolas Mansfield

Aïda, Scala 2015. Peter Stein, Zubin Mehta.

Die Wiener Staatsoper und die Mailänder Scala sind mittlerweile so etwas wie Steins neue Stammhäuser, selbstverständlich in der Regel mit grossen Gesangsstars. Auch in Salzburg durfte Peter Stein mit Riccardo Muti am Pult einen beim Publikum gefeierten Macbeth inszenieren, noch mehr internationale Beachtung erhielt jedoch der Don Carlo 2013 am selben Ort mit Jonas Kaufmann in der Titelrolle. Diese später an die Scala übernommene Produktion entzauberte den sonst immer so genau arbeitenden Stein: Eine müde, einfallslose Personenregie, in einem drögen, farblosen Bühnenbild von Dauerausstatter Ferdinand Wögerbauer. Dasselbe galt für eine Aida an der Scala, wo Stein erfolglos versuchte zwei vorhergehende Zeffirelli-Inszenierungen vergessen zu machen und dabei das Ballet nach dem Triumphmarsch strich. Seine abfälligen Äußerungen über den am selben Haus viel erfolgreicheren Zeffirelli, waren dabei nicht gerade ein Beispiel einer feinen Erziehung.

Peter Stein
Macbeth, Salzburg 2011, Peter Stein. ©Silvia Lelli

Viel gekonnter dagegen war die Wiederbelebung von Schuberts Fierrabras im Stile des Papiertheaters, sowie eine in Zürich herausgebrachte Inszenierung von Shostakovichs Nase, welche später am Opernhaus von Rom zu den erfolgreichsten der jüngeren Vergangenheit an diesem krisengebeutelten Hause gehörte.  Auch seine liebevoll arrangierte Zauberflöte mit den jungen Sängern der Accademia della Scala konnte voll und ganz überzeugen. Die Regietheater-vertreter verachten Peter Stein weiterhin für den Verrat seiner alten Ideale, während das Opernpublikum seinen Produktionen meist positiv gegenübersteht – auch weil nicht mehr viele Regisseure den heute von Stein praktizierten Regiestil pflegen und Sänger gerne mit ihm zusammenarbeiten. Ganz jedoch traut man dem Aussteiger nicht.

Oder wie sind ansonsten Aussagen wie “Seid vorsichtig, wenn das unkonventionelle Theater, das schönste was es gibt, zur Konvention wird, seid ihr in einer Falle” zu erklären?

Marco Ziegler

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Marco Ziegler
Marco Ziegler

REVIEWER

Marco Ziegler, based in Zürich, went to the opera from the age of 10 and has a keen eye and ear for the developments of the last few decades. Favourite genre: Italian Opera. Favourite operas: Aida, Don Carlo and La Forza del destino.

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