Nach dem Tode Franco Zeffirelli’s bleibt er einer der letzten Regisseure der „alten Garde“, die nicht nur für guten Geschmack, sondern auch für Zeitlosigkeit und Qualität stehen: Otto Schenk. Der am 12. Juni 1930 in Wien geborene Regisseur, der von vielen seiner Weggefährten liebevoll „Otti“ genannt wird, hat sich zwar bereits Anfang der 1990er Jahre weitgehend aus dem Opernbetrieb zurückgezogen, da sich jedoch zwischen Wien, München und New York noch Jahrzehnte nach der Premiere zahlreiche seiner  Inszenierungen im Repertoire befinden, ist er auch jüngeren Opernfreuden heute noch ein fester Begriff.

You can have any review automatically translated. Click the Google Translate button (“Vertalen”), which can be found at the top right of the page. In the Contact Page, the button is in the right column. Select your language at the upper left.

 

Werktreue

Wer erinnert sich noch an realistischen Ring an der Metropolitan Opera Ende der 80er Jahre, in dem Zwerge noch Zwerge waren, ein Drache ein Drache und der Regenbogen wie im Libretto gefordert am Ende des Rheingolds seinen Platz fand? Wer erinnert sich noch an die jüngst im Online Stream wiederholte, 2014 in weltweiten Kinos gezeigte Rusalka mit Renée Fleming, das Foto ihrer Mondarie mit der auf einem Baum positionierten Nixe prägend für eine Ganze Ära wurde. Otto Schenk, der neben der Opernregie auch als Schauspieler, Kabarettist und Autor arbeitete, war stets für seine Werktreue, seinen Respekt vor den Schöpfern eines Werkes bekannt.

DER ROSENKAVALIER | Wiener Staatsoper 1994

Egal ob in den prachtvollen Bühnenräumen von Jürgen Rose (Rosenkavalier in München, Elisir d‘amore in Wien), den Bühnenbildnern des bereits früh verstorbenen Rudolf Heinrich, dessen Bohème Ausstattung in München von 1969 bis heute ein Referenzcharakter besitzt, oder den „kosmisch-romantischen“ ,häufig mit Projektionen arbeitenden Gemälden von Günther Schneider-Siemssen (Rusalka und Ring an der Met, u.a. Fledermaus und Fidelio in Wien): Otto Schenk steht immer und in Verbindung mit geeigneten Sängern für Sternstunden in der Oper. Das gilt auch für den Wiener Andrea Chénier, der wohl eine seiner weniger gelungen Arbeiten darstellt, der jedoch in den letzten Jahren immer wieder in herausragenden Besetzungen dort gezeigt wurde und so manch aktueller Neuproduktion um Welten überlegen ist.

Otto Schenk

Die Fledermaus, mit Renate Holm, Gundula Janowitz. 1972

Wo sich mancher Opernliebhaber angesichts mancher Exzesse des heutigen Regietheaters nach der Ära Otto Schenks zurücksehnt, wird oft vergessen, das Schenk zu Beginn seiner langen Karriere keineswegs so unumstritten war, wie man heute denkt. Ein Don Giovanni im Commedia del‘Arte Stil an der Wiener Staatsoper 1969 etwa verschwand nach Protesten schnell wieder aus dem Spielplan und wich einer wesentlich beliebteren Produktion von Franco Zeffirelli, ein abstrahierter Macbeth in München ereilte in den frühen 1970ern ein ähnliches Schicksal. „Es menschelt“ warfen Kritiker dem Regisseur seine detaillierte Personenregie vor.  Dabei bewies Otto Schenk, der 2006 für eine Neuinszenierung des Don Pasquales an die Met zurückkehrte, dass sich Demut vor dem Komponisten und eine liebevolle und detaillierte Personenregie nicht ausschliessen: wer erinnert sich, wie sich die junge Anna Netrebko als Norina unter einer mit Dessous behängten Wäscheleine hinreissend-lustvoll räkelte. Und wie viel plumper und kälter war die gleiche Szene jüngst in einer „modernen“ Neuproduktion am Opernhaus Zürich gelöst?

In 2014 kehrte Otto Schenk noch einmal zurück an die Wiener Staatsoper, sein Stammhaus. Das Wiener Publikum feierte die Neuproduktion des Schlauen Füchsleins, sowie „ihren Otti“. Dieser hat zwar ausgeschlossen, noch einmal „rückfällig“ zu werden und erneut eine neue Operninszenierung zu erarbeiten, aber wer weiss? Otto Schenk ist jedoch weiterhin aktiv und zeigt sich regelmässig in Wien zu Lesungen und kleineren Gastauftritten. Nächsten Monat wird Otti, wohl im Kreise seiner Familie und seinen alten Weggefährten seinen 90. Geburtstag feiern!

Opera Gazet wünscht ihm von ganzen Herzen alles Gute, beste Gesundheit, Glück und Zufriedenheit!

Marco Ziegler
(14-05-2020)


0 0 stem
Artikelbeoordeling
Marco Ziegler
Marco Ziegler

REVIEWER

Marco Ziegler, based in Zürich, went to the opera from the age of 10 and has a keen eye and ear for the developments of the last few decades. Favourite genre: Italian Opera. Favourite operas: Aida, Don Carlo and La Forza del destino.

Abonneer
Laat het weten als er
guest
0 Reacties
Inline feedbacks
Bekijk alle reacties