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Welcher Opernfan liebt sie nicht, viele sammeln sie: Applaus-Fotos, Szenenbilder, CD-Cover oder Besetzungszettel signiert von grossen Stars nach Aufführungen oder manchmal in der Pause. Da sehen wir die majestätische Edita Gruberova mit Halskrause und roter Perücke als Elisabetta I. aus Roberto Devereux, Leontyne Price zwar nicht im Kostüm, aber mit ihrer Pelzstola nicht minder majestätisch. In luxuriöser Robe pflegte auch Renata Tebaldi regelmäßig vor Fotografen zu posieren; ihre Dauer-Rivalin Maria Callas stand ihr dabei um nichts nach. Auch Placido Domingo und Luciano Pavarotti liebten nach Aufführungen vor dem Vorhang die Ovationen des Publikums entgegen zu nehmen.

 
Unterwäsche
Edita Gruberova

In prächtigen Kostümen vor den bereits geschlossenen Vorhängen fingen sie dabei häufig bewegt die Blumensträusse ihrer größten Bewunderer, die Applaus-Bilder beweisen seit jeher, dass der Applaus nach der Aufführung schon immer so wichtig war wie diese selbst und auch als Erfolgsbarometer für das Gelingen eines Opernabends angesehen werden darf. Auch in Zeiten moderner Inszenierungen, als die Halskrause einem schlichten Abendkleid wich oder das Rokoko-Kostüm einem schwarzen Anzug, gelang es so manchem noch einen szenisch verunglückten Abend musikalisch zu retten und dafür die Dankbarkeit des Publikums bei den Solo-Vorhängen in würdiger Weise entgegen zu nehmen.

Unterwäsche
Leontyne Price (photo Sony Dave Hecht)
Unterwäsche
Renata Tebaldi

Nicht so geschehen jüngst in Berlin bei der Walküre Neuproduktion durch Stefan Herheim: Da wurde von Siegmund Tenor Brandon Jovanovich erwartet, sich in weisser, jedoch blut besudelter Feinripp-Unterwäsche dem Publikum zu stellen. Nicht mal ein Bademantel wurde dem Sänger für diesen Moment zugestanden, wie das sonst in vergleichbaren Situationen der Fall war – die Deutsche Oper Berlin postete die entsprechenden Applaus-Fotos offiziell auf ihren Social Media Kanälen.

Unterwäsche
Von links nach rechts: John Lundgren, Brandon Jovanovich und Lise Davidsen in Stefan Herheims Produktion von Die Walkure. Deutsche Oper Berlin.

Ein solches Zurschaustellen von Sängern in Unterwäsche beim Applaus ist neu und entwürdigend – auch wenn wir derartige “Kostüme” in szenischem Kontext auf der Bühne längst gewohnt sind. Werden die Fans von Brandon Jovanovich in Zukunft mit diesen Bildern nach der Aufführung am Bühnenausgang warten, um sie sich signieren zu lassen? Man kann nur hoffen, dass der Tenor in diesem Fall die Unterschrift verweigert. In kleinem Kreis soll er bereits versichert haben, dass er selbst privat nie Feinripp tragen würde…..

 

Marco Ziegler

02-10-2020

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Marco Ziegler
Marco Ziegler

REVIEWER

Marco Ziegler, based in Zürich, went to the opera from the age of 10 and has a keen eye and ear for the developments of the last few decades. Favourite genre: Italian Opera. Favourite operas: Aida, Don Carlo and La Forza del destino.

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[…] Stefan Herheim inszeniert opulent mit Effekthascherei, teils gelungen-witzig, mal unfreiwillig-komis…. Sänger und Statisten, die in Alltags-Reise, Transit-30 Jahre Deutsche Einheit-Grau über die Bühne zwischen und mit Koffern in der Hand herumirren. Einige Koffer-Mauern stürzen irgendwann ein, dem Mauerfall gleich? Dann schweben sogar Koffer am Himmel. Der Sinn darin will sich mir nicht wirklich erschließen, auch wenn die Koffer das Herumreisen und die Heimatlosigkeit Wagners versinnbildlichen sollen. Überhaupt wird in dieser Aufführung viel Bezug auf den Komponisten und dessen Leben genommen. Politische oder gesellschaftliche Interpretationen dagegen vermisst man. Grau und aktuell das Erdgeschehen im Jetzt. Gold, antik, klassisch aus einer… Lees verder »