Die Deutsche Oper am Rhein macht ein neues Streaming-Angebot: Ab Freitag, 30. Oktober, 19.00 Uhr, ist Der Kaiser von Atlantis von Viktor Ullmann für sechs Monate in voller Länge kostenfrei über die Online-Plattform wwww.operavision.eu abrufbar. Inszeniert von Ilaria Lanzino und musikalisch geleitet von General­musikdirektor Axel Kober, hatte die Kammeroper am 19. September 2020 im Opernhaus Düsseldorf Premiere. Die Online-Premiere am Freitagabend wird von einem Live-Chat mit Regisseurin Ilaria Lanzino und Dramaturgin Anna Grundmeier begleitet. Einblick in die Produktion geben auch Backstage-Videos und Interviews mit beteiligten Künstlerinnen und Künstlern.
In der Hölle des Konzentrationslagers Theresienstadt entwickelte Viktor Ullmann 1943-44 die viel­schich­tige Parabel über absolute Macht und ihre Überwindung: In der maschinisierten Tötungsindustrie des Kaisers Overall von Atlantis sind Harlekin und Tod nur noch Zaun­gäste in einer Welt, „die verlernt hat, am Leben sich zu freuen und des Todes zu sterben“. Als Overall den Krieg aller gegen alle verkündet, sieht sich der Tod endgültig zu einem kleinen Handwerker des Sterbens degradiert und verweigert dem Kaiser fortan den Dienst.
Die von Ullmann und dem jungen Autor Peter Kien verfasste Botschaft, aufzustehen gegen Unrecht und Unterdrückung, trägt bis in unsere Gegenwart: „Der politische Bezug zur Entstehungszeit ist klar erkennbar, trotzdem weist das Stück weit über seine Zeit hinaus.“, sagt Regisseurin Ilaria Lanzino, die im Januar 2020 mit dem renommierten EOP (Europäischer Opernregie-Preis) ausgezeichnet wurde. Generalmusikdirektor Axel Kober dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker und das hochkarätige Solistenensemble: Emmett O’Hanlon ist Overall, der Kaiser von Atlantis, der den Lautsprecher (Thorsten Grümbel) und den Trommler (Kimberley Boettger-Soller) für seine Propa­ganda instrumentalisiert. Ein Mädchen (Anke Krabbe) und ein Soldat (Sergej Khomov) stehen sinnbildlich zwischen dem Leben (David Fischer als Harlekin) und dem Tod (Luke Stoker).
Generalintendant Christoph Meyer: „Das Online-Angebot ist kein Ersatz für die Opernvorstellungen, die im November wegen der erneuten Theaterschließung entfallen müssen, sondern ein zusätzliches Angebot für operninteressierte Zuschauer in aller Welt. Dennoch zeigt sich gerade in der gegenwärtigen Situation, wie sehr wir alle von einem europäischen Netzwerk wie OperaVision profitieren können.“
Unterstützt durch das Creative Europe Programm der EU, vereint OperaVision kostenlos Live-Streams und Video-on-demand von Opernhäusern und Festivals aus ganz Europa und ist mit seiner Bibliothek eins der größten Online-Kulturvermittlungsforen. Der Plattform gehören 29 Partnerinstitu­tio­nen aus 17 Ländern an, darunter die Opernhäuser in Antwerpen, Brüssel, London, Madrid, Stockholm und das Festival d’Aix-en-Provence. Aus Deutschland sind die Deutsche Oper am Rhein und die Komische Oper Berlin vertreten.
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