Andreas Homoki wurde 1960 in Marl als Sohn einer ungarisch-stämmigen Musikerfamilie geboren. Er studierte von 1979-1987 Germanistik und Schulmusik in West-Berlin und war von 1987-1993 als Abendspielleiter und Regieassistent an der Oper Köln tätig. Sein internationaler Durchbruch als Opernregisseur gelang ihm 1992 in Genf mit Die Frau ohne Schatten, einer Inszenierung die 1994 den französischen Kritikerpreis erhielt. Von 1993 bis 2002 war er als freier Opernregisseur mit Inszenierungen an den Opernhäusern in Köln, Hamburg, Genf, Lyon, Leipzig, Basel, Berlin, Amsterdam und München tätig. 1996 Debut  an der Komischen Oper Berlin mit Verdis Falstaff, es folgten dort Die Liebe zu drei Orangen (1998) sowie im Jahre 2000 Die lustige Witwe. 2002 trat er dort die Nachfolge von Harry Kupfer als Chefregisseur an und übernahm 2004 zusätzlich die Intendanz dieses Hauses. Seit Beginn der Spielzeit 2012/13 ist Andreas Homoki Intendant des Zürcher Opernhauses. Internationale Engagements führten ihn u.a.  an die Bayerische Staatsoper München, an das New National Theatre Tokyo, die Sächsischen Staatsoper Dresden, die Hamburgische Staatsoper, sowie die Mailänder Scala, die Norwegische Staatsoper Oslo und das Festival in Aix-en-Provence. Seit 1999 ist Andreas Homoki Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

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Herr Homoki wie geht es Ihnen jetzt? Seit Mitte März, bis jetzt Anfang Juli,  ruht am Opernhaus der Spielbetrieb, mehrere Premieren und einige lange erwartete Highlights wie die Wiederaufnahme des Faust mussten verschoben werden. Wie haben Sie diese schwere Zeit verbracht?

“Das vorläufige Ende der Saison war für uns alle ein surreales und aussergewöhnliches Erlebnis, aber ein absolutes Katastrophenszenario oder ein Kriegsausbruch war es dann doch nicht. Ich war im März in Berlin gewesen, um an der Komischen Oper Schwanda der Dudelsackpfeifer von Jaromir Weinberger zu proben, als uns am 13. März mitgeteilt wurde, dass diese Proben abgebrochen werden müssen. Eine ähnliche, aber angesichts des Lockdowns bereits erwartete Ankündigung musste ich dann auch nach meiner Rückkehr  in Zürich am 18. März machen, wo die Proben zur Csardasfürstin kurz vor dem Ende standen und die Absage der Premiere für grosse Enttäuschung sorgte. Ich erinnere mich an die grosse Hektik, die in diesen Tagen ausbrach: Alle suchten nach Flügen, um nach Hause zurückzukehren; bereits am Berliner Flughafen Tegel musste ich, als sich die Schließung der Grenzen abzeichnete, meine Schweizer Aufenthaltsbewilligung vorweisen, um wieder in die Schweiz einreisen zu dürfen. Aber ich habe die Zeit, in der es etwas ruhiger war am Opernhaus Zürich kreativ genutzt. Auf einmal hatten alle, die sonst so schwer greifbar sind Zeit: Wir konnten an Ostern über Zoom die für Zürich geplante Neuproduktion des Ringes in Ruhe vorbesprechen, uns außerdem einer geplanten neuen Salome widmen und natürlich der eigentlich für nächstes Jahr in Bregenz geplanten Madama Butterfly, welche nun um ein Jahr verschoben werden musste.”

Andreas Homoki
Andreas Homoki. ©Frank Blaser.
Ich weiss, dass es für Prognosen zu früh ist, aber rechnen Sie damit, dass der reguläre Spielbetrieb im September aufgenommen wird? Sie planen die neue Saison mit Boris Godunow zu eröffnen. Dies ist eine der gewaltigsten Choropern in der gesamten Opernliteratur. Wie könnten in so einem Werk Abstandsregelungen auf der Bühne und im Graben eingehalten werden, sofern diese dann noch erforderlich sein sollten?

“Wie Sie sicher gesehen haben, können wir nun bereits für den Juli ein Ersatzprogramm mit hochkarätigen, dem Opernhaus Zürich seit Langem verbundenen Künstlern in Form von Liederabenden und Konzerten anbieten, wobei gemäss der Abstandsregelungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ein Publikum von maximal 300 Personen anwesend sein darf. Seit Beginn der Pandemie beobachten wir natürlich die Kurve der Infektionen ganz genau, und es war für uns schwer erträglich, als immer mehr Politiker davon sprachen, dass der Lockdown noch länger gehen werde, als erwartet. Für den Beginn der neuen Spielzeit haben wir natürlich die ganze Zeit nach Lösungen gesucht und ganz verschiedene Optionen durchgespielt: Die Schlechteste wäre es gewesen zu kapitulieren, wie in New York oder Paris, wo der Spielbetrieb nach jetzigem Stand bis Ende des Jahres ausgesetzt wird. Dann haben wir natürlich ausgemessen, ob z.B. Abstandsregelungen für ein Riesenorchester wie es für den Boris Godunow erforderlich ist, eingehalten werden können, aber das wäre hier in Zürich nicht machbar gewesen. Dann gab es da noch die Option Fassungen für reduzierte Chor- und Orchesterbesetzungen in Auftrag zu geben oder den Spielplan so umzugestalten, dass nur noch Werke ohne Chor und mit wenigen Solisten auf dem Programm gestanden wären. Das hätte natürlich auch für die Künstler hoch problematische Vertragsbrüche zur Folge gehabt. Nun haben wir jedoch eine Lösung gefunden am bisher geplanten Programm – abgesehen von einigen kleineren Absagen und Verschiebungen festhalten zu können und hoffen so wie geplant in die neue Saison zu starten. Wir werden dabei wie etwa in Bregenz, das Orchester mit einem hervorragenden modernen Klangsystem aus einem Probensaal zuspielen und es wird bestehende Inszenierungen geben, die von unseren  Spielleitern so überarbeitet werden, dass insgesamt weniger Personal auf der Bühne steht. Im Falle des Boris dagegen, wird der Chor aus dem Off singen. Regisseur Barrie Kosky hat dabei ein Konzept entwickelt, bei dem der Chor nicht auftritt und quasi Stimmen repräsentiert, welche alleine in Boris Kopf zu hören sind. Solche Regiekonzepte hat es bereits in früheren Opernproduktionen gegeben und es wird auch bei einer später geplanten Wiederaufnahme weiterhin seine Gültigkeit behalten. Vor wievielen Zuschauern sich jedoch im September letztlich der Vorhang heben wird, ist jetzt, Anfang Juni, leider noch unklar.”

Die Mailänder Scala hat angekündigt bei ihrer geplanten Wiedereröffnung auf einige zum Teil jahrzehntealte Produktionen zurück zu greifen, auch die Met streicht die meisten ihrer geplanten Neuproduktionen und greift stattdessen teilweise auf bestehende Produktionen zurück. An der Wiener Staatsoper dagegen steht nächste Spielzeit die dritte Macbeth-Neuproduktion – einer Übernahme aus Zürich – in gut einem Jahrzehnt an, nachdem es 2009 und 2014 kurzlebige und kontrovers aufgenommene Neuinszenierungen dieser Oper gegeben hatte. Wäre es angesichts der neuesten Entwicklung der Corona-Krise nicht sinnvoller Neuproduktionen bei ihrer Premiere auf eine längere Verweildauer im Repertoire auszurichten und in diesem Kontext auch mehr auf Konsens als auf Polarisierung zu achten?

“Wenn man in einer solchen Situation wieder spielen will, ist es eine sinnvolle und pragmatische Lösung auf Altbewährtes und Bestehendes zurück zu greifen – vor allem dann, wenn man keine anderen Produktionen zur Verfügung hat. Wir jedoch haben in Zürich glücklicherweise eine solche Situation nicht und  gehen davon aus, dass die kommende Spielzeit mit allen Neuinszenierungen, sowie der nachgeholten Premiere der Csardasfürstin, wie geplant stattfinden wird. Mein Ziel ist es Neuproduktionen grundsätzlich so auszurichten, dass diese sich etwa zehn Jahre in unserem Repertoire halten und mehrfach wieder aufgenommen werden können. Dabei ist für mich allerdings nicht entscheidend was als “konsensuell” und was als “polarisierend” gilt, was auch immer man unter diesen Begriffen versteht. Mir geht darum, dass man sich mit einem Stück beschäftigt, sich mit diesem auseinandersetzt und zu dessen Kern vordringt. Dabei soll ein Bild korrigiert werden, welches durch die Rezeptionserwartung des Publikums oft im Laufe der Jahre verschüttet wurde und in den Werken so wie erwartet oft nicht angelegt war. Ich erwarte von den Regisseuren, welche ich mit der Neuinszenierung von Werken beauftrage, eine solch tiefgehende Auseinandersetzung, wobei natürlich am Ende das Ergebnis eines solchen künstlerischen Prozesses völlig unterschiedlich ausfallen kann und auch soll. Mich freut es natürlich, dass die Wiener Staatsoper unsere Macbeth-Produktion übernehmen wird. Ob es allerdings sinnvoll ist, dass ein neuer Staatsopern-Intendant in seiner ersten Spielzeit die Mehrheit seiner Neuproduktionen aus teilweise jahrzehntelang bestehenden Inszenierungen anderer Opernhäuser zusammensetzt ist eine andere Frage, über die man diskutieren kann….”

Andreas Homoki
Andreas Homoki. ©Frank Blaser.
Wird es nach Corona den Opernbetrieb in seiner alten Form noch geben?

“Ich halte wenig von apokalyptischen Anspielungen und Szenarien. Denken Sie an den Ausbruch der Hongkong-Grippe vor einigen Jahrzehnten. Natürlich werden einige Institutionen die aktuelle Situation nicht überleben, aber wir rechnen fest damit, dass es gelingt, die aktuelle Pandemie in den griff zu bekommen. Ich bin sehr optimistisch, dass es auch in der Oper wieder zu einer Normalisierung kommen wird, genauso wie bei der Frage, wohin die Menschen jetzt noch in die Ferien fahren können, was derzeit viele Leute beschäftigt.”

Worauf können wir uns in den verbleibenden Jahren Ihrer Amtszeit als Intendant des Opernhaus Zürich besonders freuen?

“Ich freue mich sehr auf die vielfältigen und reichhaltigen Projekte, welche in den kommenden Jahren am Opernhaus anstehen. Ich bin sehr glücklich über die phantastischen Arbeitsbedingungen, welche wir hier am Opernhaus haben. Unser erstklassiges Opernstudio bringt immer wieder außergewöhnliche Entdeckungen junger Opernsänger hervor und mein Operndirektor Michael Fichtenholz ist pausenlos auf der Suche nach großen Talenten. Dann freue ich mich natürlich besonders auf die Neuproduktion des Ring des Nibelungen, welche ich selbst inszenieren werde. Auch “Starsänger” wie Anna Netrebko werden wieder kommen! Lassen Sie sich überraschen….”

Herr Homoki, vielen Dank, und bleiben Sie gesund.
Marco Ziegler

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Marco Ziegler
Marco Ziegler

REVIEWER

Marco Ziegler, based in Zürich, went to the opera from the age of 10 and has a keen eye and ear for the developments of the last few decades. Favourite genre: Italian Opera. Favourite operas: Aida, Don Carlo and La Forza del destino.

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