opera

Die Wirtshausszene bei der Wozzeck seine Marie mit dem Tambourmajor beim Tanzen sieht gerät so zu einem Höhepunkt der in seiner Beklemmung, dem Zuschauer die Gänsehaut über den Rücken laufen lässt.

 

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Wozzeck von Alban Berg. Oper in drei Akten. 1922. Libretto des Komponisten, nach Georg Büchners Stück Woyzeck. Uraufführung an der Staatsoper Berlin am 14. Dezember 1925.
Besuchte Aufführung: 12-02-2020, Opernhaus Zürich.

Wozzeck: Christian Gerhaher
Tambourmajor: Daniel Brenna
Andres: Iain Milne
Hauptmann: Wolfgang Ablinger-Sperrhacke
Doktor: Jens Larsen
1. Handwerksbursch: Pavel Daniluk
2. Handwerksbursch: Cheyne Davidson
Der Narr: Martin Zysset
Marie: Gun-Brit Barkmin
Margret: Irène Friedli
Mariens Knabe: Braulio Camarena
Ein Bursche: Tae-Jin Park

Philharmonia Zürich
Chor der Oper Zürich
Kinderchor der Oper Zürich
Statistenverein am Opernhaus Zürich

Musikalische Leitung: Hartmut Haenchen
Inszenierung: Andreas Homoki

Muziek:
Regie:

Zu einem rundum aufwühlenden und beeindruckenden Opernabend geriet die Wiederaufnahme von Alban Bergs 1925 an der Berliner Staatsoper uraufgeführten Oper Wozzeck am Opernhaus Zürich in der Inszenierung des Zürcher Opernintendanten Andreas Homoki. Dieses einzigartige Werk der Musikgeschichte lehnt sich eng an Georg Büchners berühmtes Dramenfragment Woyzeck an und erzählt die Geschichte des armen, psychisch labilen Soldaten Woyzeck, der mit seiner großen Liebe Marie ein uneheliches Kind hat. Um seine gesellschaftlich geächtete Familie durchzubringen, verrichtet Wozzeck für den brutalen Hauptmann niedrige Arbeiten und lässt durch den größenwahnsinnigen Doktor Experimente an sich durchführen. Marie wird indessen von dem prahlerischen Tambourmajor verführt. Als Wozzeck von dem Betrug Maries erfährt, erlebt er halb wahnsinnig alptraumhafte Szenen, die darin gipfeln, dass er Marie ausserhalb der Stadt ermordet. Bei dem Versuch das Messer in einem See zu versenken, ertrinkt Wozzeck, das Kind der beiden bleibt am Ende allein zurück.  Auf eine wahre Begebenheit zurückgehend, basiert Büchners Werk übrigens auf dem spektakulären Mordprozess Johann Christian Woyzeck, der 1821 aus Eifersucht, die 46-jährige Witwe Johanna Christiane Woost in einem Hausflur Leipzig erstach und 1824 öffentlich hingerichtet wurde, nachdem ihn zwei psychiatrische Gutachten für schuldfähig befunden hatten. Es handelte sich dabei wohl um den ersten Mordprozess der Geschichte, der ein solches forensisches Gutachten als Grundlage für das Urteil verwendete.

Wozzeck

Andreas Homoki siedelt Bergs Oper in einem abstrakten Ambiente an, welches an ein Kasperltheater erinnert.  Michael Levine hat dabei ein Bühnenbild aus Rahmen in grellem Gelb entworfen, welche sich ständig wandeln und mit zahlreichen Ausgängen und Dopplungen das Getrieben sein und die Ausweglosigkeit des Titelhelden Wozzeck verdeutlichen. So geraten viele Szenen geradezu grotesk.

Die Wirtshausszene bei der Wozzeck seine Marie mit dem Tambourmajor beim Tanzen sieht gerät so zu einem Höhepunkt der in seiner Beklemmung, dem Zuschauer die Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Die ebenfalls von Levine entworfenen Kostüme belassen das Werk in der Zeit des frühen 19. Jahrhunderts, überzeichnen jedoch die Charaktere in der Form des Kasperltheaters und gewinnen gerade dadurch an Größe und Menschlichkeit. Die Personenregie ist stets authentisch und sinnvoll. Wenn Wozzecks Sohn am Ende der Oper vom Tode seiner Mutter erfährt, ist der Sänger des Knaben (Braulio Camarena), welcher zuvor durch eine Puppe dargestellt wurde, kostümiert, wie zuvor sein Vater, die anderen Kinder entsprechen den übrigen Charakteren der Oper. Die Geschichte könnte also von neuem beginnen.

Wozzeck

Großes Opernglück

Ganz großes Opernglück verströmte Christian Gerhaher in der Titelrolle. Mit außergewöhnlich klarem, technisch perfekt geführten Bariton und anrührendem Spiel ist er eine mustergültige Besetzung für den unglücklichen Wozzeck. Dem steht die mit klarem dramatischen Sopran singende Gun-Brit Barkmin als Marie in nichts nach, wie die Sängerin etwa Maries Zerrissenheit darstellen war wahrlich phänomenal. Ein grotesker, brutaler Tambourmajor wurde durch Daniel Brenna verkörpert, während Jens Larssen und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als Doktor und Hauptmann zwei bösartige, sadistische Charaktere verkörperten, dass es einem als Zuschauer wahrlich übel wurde. Opernhaus Urgestein Irene Friedli gab eine herrlich keifende Nachbarin Margreth, rundum ausgezeichnet sangen Iain Milne den Andres, Pavel Daniluk und Cheyne Davidson als Handwerksburschen sowie Martyn Zysset als Narr. Alptraumhaft, aber doch schmissig sang der von Janko Kastelic einstudierte Chor das Jägerlied der Wirtshausszene. Mit Spannung war das Engagement des großen Dirigenten Hartmut Haenchen erwartet worden. Dieser begeisterte auf ganzer Linie und führte mit straffen, spannenden Tempi am Pult der Philharmonia durch den Abend. Da war jeder Einsatz bedächtig und sinnhaft dirigiert, die Zwischenspiele zeigten erstmals seit langer Zeit wieder zu welchen Fähigkeiten das Orchester des Opernhauses fähig ist, wenn es nur entsprechend gefordert wird.

Das Publikum dankte allen Beteiligten für diesen einzigartigen Opernabend mit Ovationen, nachdem beim Fallen des Vorhangs noch große Betroffenheit geherrscht hatte.

Marco Ziegler
(14-02-2020)


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Marco Ziegler
Marco Ziegler

REVIEWER

Marco Ziegler, based in Zürich, went to the opera from the age of 10 and has a keen eye and ear for the developments of the last few decades. Favourite genre: Italian Opera. Favourite operas: Aida, Don Carlo and La Forza del destino.

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Ad MiddendorpOlivier KeegelWillem Recent comment authors
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Willem
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Willem

Verzoek, is het mogelijk om achter de solisten hun aanduiding te geven, sopraan, ect.
Mvg. Willem🎼🌷🌷🌷🌷🎼

Olivier Keegel
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We doen ons best, maar bij grote drukte, zoals nu, schiet het er soms bij in.

Ad Middendorp
Gast
Ad Middendorp

Gerne möchte ich Sie danken für Ihren ausfürlichen Bericht dieser schönen Oper.