Pierrot Lunaire. Drei Monodramen. Melodram op. 21 [1912] von Arnold Schönberg sowie Nicht Ich [1972] und Rockaby [1981] von Samuel Beckett.

 

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Komische Oper Berlin

Solistin: Dagmar Manzel
Mitglieder des Orchesters der Komischen Oper Berlin
Musikalische Leitung: Christoph Breidler

Inszenierung: Barrie Kosky
Bühnenbild: Valentin Mattka
Kostüme: Katrin Kath
Dramaturgie: Ulrich Lenz

Musik:
Acteren:

Der Triumpf der Dagmar Manzel

Eine Frau in drei Rollen allein auf einer großen Bühne. Erst nur ihr Mund, dann sie allein im schwarzen festlichen Kleid im Schaukelstuhl als alte Frau auf ihrem letzten Gang. Zuletzt mit Teddy im Bett im Matrosenanzug. Nicht Ich, Rockaby, Pierrot Lunaire. So die Titel der drei Melodramen, ein triple bill, zwei davon von Samuel Beckett, eines von Arnold Schönberg. Zu tun haben sie nichts miteinander.

Lange vor Corona hat Barry Kosky diesen Abend mit seiner langjährigen Muse auf ihren Wunsch hin geplant und inszeniert. Es ist nicht beider erste Zusammenarbeit in der Komischen Oper. Allein in dieser Spielzeit ist Dagmar Manzel dort in Anatevka und Eine Frau, die weiß, was sie will! zu sehen.

Zuerst ein Mund, der Mund einer älteren Frau, der Mund von Dagmar Manzel. Ungeordnet, unaufhaltsam bricht ein Redeschwall daraus hervor. Fragmente von Erinnerungen, die um traumatische Erlebnisse zu kreisen scheinen. Ohne Punkt und Komma, ohne Pause, dafür mit Wiederholungen, eine gnadenlose Innenschau. Deutungsversuche bleiben Spekulation. Die Erzählstruktur scheint Ausbruch und Therapie zugleich. „Was? – Wer? – Ich? – Nein! – Sie!“ und der Titel des Stücks „Nicht Ich“, das verneint, dass es sich um selbst Erlebtes handelt, obwohl wir Zeugen einer gnadenlosen Innenschau werden. Ein Schicksal, welches betroffen macht, weil „die Wucht, die diese Eruption von Worten und Sätzen auf die Zuschauenden ausübt, liegt im Ungesagten.“ Das Geheimnis wird nicht gelüftet, die latente Bedrohung und der Schmerz sind somit auch für den Zuschauer fühlbar.

Pierrot Luniare
Dagmar Manzel in Pierrot Lunaire. Foto: Monika Rittershaus.

Qualen und Einsamkeit

Bei der Premiere saß ich in Reihe zwei im Parkett, bei meinem zweiten Besuch ganz hinten. Beide Male hat der Strudel Dagmar Manzel funktioniert. Obwohl das Stück nur gut 15 Minuten kurz ist, stellt es die Schauspielerin vor eine riesige Herausforderung, denn nur der Mund darf sichtbar sein und sich nicht aus dem Lichtfokus herausbewegen. Es gab Schauspielerinnen, die sich schwarz gekleidet mit Kapuze in einer schwarzen Box befanden, wie Jessica Tandy oder sich fixieren ließen. Die Qualen und Einsamkeit der Darstellerin übertragen sich auf ihren Mund.

Pierrot Lunaire
Dagmar Manzel in Pierrot Lunaire. Foto: Monika Rittershaus.

Bei dem zweiten Stück Rockaby geht es um eine alte Frau, die in ihrem Schaukelstuhl stirbt. Schick im schwarzen langen Pailletten-bestickten Kleid, lauscht sie ihrer eigenen Stimme. Auch hier Satzfragmente, erweitert zu ganzen Sätzen, von Zeit zu Zeit gebremst und dann wieder in Gang gebracht. Geburt und Sterben zusammengeschaukelt zu einem „Rock = schaukeln – lullaby = Schlaflied“ ergibt Rockaby. Sie will noch nicht sterben, doch die Uhr, sie tickt für sie. Gleichmäßig wippt der Stuhl, wie ein Herz, welches schlägt, tic tac, immer langsamer. Sie ruft „Mehr“, als die Schaukelbewegung droht, aufzuhören, ihr Tod naht. Jedes kurze Innehalten kommt einem kleinen Herzstillstand gleich. Dann wird sie hinüber geschaukelt in den sanften Tod. Von der Kinderwiege zur Totenbahre. Sobald der Stuhl sich nicht mehr bewegt, ist das Leben vorbei. Bilie Whitelaw, die die Rolle der alten Frau bei der Uraufführung 1981 anlässlich zu Becketts 75. Geburtstag spielte, empfand ihre „Situation als beängstigend. Ich fühlte mich sehr, sehr einsam in diesem Stuhl.“

Einsamkeit, Alleinsein, darum geht es auch im letzten Stück: In Pierrot Lunaire erzählt das Kind Dagmar Manzel im Matrosenanzug ihrem Teddy eine Geschichte. In der dritten Person. Es geht um sie selbst. Der kleine Peter, Pierrot, und der Mond. Oder die Gedanken- und Traumwelt des Künstlers, der etwas tumbe Liebhaber, süchtig Verliebte, ein einsam Leidender, der als Freund nur den fernen blassen Mond hat, Assoziationen an Kinder des Olymps werden wach. Die Eintrübung des Mondes und ein Reich mit Schatten, bedrohend bis hin zu Pierrots „Heimfahrt“ nach Bergamo, dem vorletzten Lied, wo es heißt: …beschau ich frei die liebe Welt und träum hinaus in selige Welten.“

Und so schließt sich doch, ob beabsichtigt oder nicht, ein Kreis zwischen den drei Erzählungen.

Pierro Lunaire
Dagmar Manzel in Rockaby. Foto: Monika Rittershaus.

Arnold Schönberg wurde 1912 von der Berliner Vortragskünstlerin Albertine Zehme beauftragt, für sie den singulären Melodramen-Zyklus Pierrot Lunaire, den Igor Strawinsky später als »Solarplexus der Moderne« bezeichnen sollte, zu komponieren, der diesem Abend den Titel gibt. Sie war eine „talentierte Wienerin“, bekannt unter dem Künstlernamen Satran, die dann reich geheiratet hatte, einen Salon führte und als Mäzenin auftrat. Als sie Schönberg beauftragte, war dieser begeistert. Er schuf eine Vertonung für Sprechstimme und Klavierbegleitung. Später änderte er es zugunsten eines kammermusikalischen Ensembles, welches aus 5, dann aus 7 Musikern bestand. Die Uraufführung fand am 16. Oktober 1912 im Choralion-Saal in Berlin statt.

Schönberg war es wichtig, dass auf keinen Fall die Partie zu singen sei. Vielmehr habe der Ausführende die Aufgabe, unter guter Berücksichtigung der vorgezeichneten Tonhöhen den Text in eine Sprechmelodie umzuwandeln. Dagmar Manzel gelingt dieser Balanceakt meisterlich.

Überhaupt funktioniert dieser Abend wegen ihr. Die Schauspielerin, Sängerin, Hörspielsprecherin und Diseuse agiert, als ginge es um ihr Leben. Urgewalt und Sogkraft attestiert ihr ein Kritiker, besser kann man sie kaum beschreiben. In ihrer Unscheinbarkeit liegt eine Kraft, die diesen Kammerabend wirklich sehens- und hörenswert macht, nicht nur für ihre Fans.

Daniela Debus

Restkarten für die nächsten Aufführungen am 13., 30.10. und 6.11.
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Daniela Debus
Daniela Debus

Reviewer

Daniela Debus is an art historian, cultural journalist and author. Location Berlin. Wrote a book about Salomé (Hirmer Verlag). For Opera Gazet, she reviews Berlin's opera premieres.

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Olivier Keegel
Beheerder
4 dagen geleden

Herr Kasper Janse, Direktor des Pianola-Museums (https://www.pianola.nl/ ) in Amsterdam, sagt: “Die Premiere von Pierrot Lunaire fand im Saal des Choralion statt. Choralion war der Sitz der Äolischen Kompanie in Deutschland. Eine äolische Pfeifenorgel wurde auch im Choralion Saal installiert (eine große Orgel mit 43 Stimmen).

Nach dem Ersten Weltkrieg beschloss die Äolische Gesellschaft, diese Halle und ihre Fabriken in Deutschland zu veräußern. Die Orgel kam in die Niederlande und wurde teilweise im Ausstellungsraum des Klavierhändlers Bender installiert. Die Reste davon können für den Wiederaufbau unserer Äolischen Orgel aus dem Kareolischen Landhaus” verwendet werden.”