Dem kleinen Berner Stadttheater ist mit der Neuproduktion von Verdis Otello zum Trotz aller Widrigkeiten der Corona Pandemie eine Aufführung gelungen, die den Vergleich mit grösseren Operncompagnien nicht zu scheuen braucht.

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Otello. Dramma lirico in vier Akten. Libretto von Arrigo Boito nach William Shakespeare. In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Besuchte Vorstellung: 18. Oktober. Konzert Theater Bern.

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Otello: Rafael Rojas
Jago: Jordan Shanahan
Cassio: Nazariy Sadivskyy
Roderigo: Andries Cloete
Lodovico:  Young Kwon
Montano: Philipp Mayer
Desdemona: Evgenia Grekova
Emilia: Sarah Mehnert
Ein Herold: Louis Morvan

Musikalische Leitung: Matthew Toogood
Orchester: Berner Symphonieorchester
Chor: Chor Konzert Theater Bern
Statisterie: Statisterie Konzert Theater Bern

Regie: Anja Nicklich

Muziek:
Regie:

Die Berliner Regisseurin Anja Nicklich vertraut bei ihrer Regiearbeit dabei ganz auf die Kraft und Gewalt der Musik von Verdis vorletzter Oper und dem Text von Arrigo Boito. Dabei gab sie an, gemeinsam mit dem Regieteam aus Janina Thiel (Bühne) und Gesine Völlm (Kostüme) die Geschichte aus der Perspektive von Iagos Ehefrau, der Dienerin Emilia erzählen zu wollen, und so einen bewusst weiblichen Zugang zu Otello zu wählen.
Otello
von rechts: Evgenia Grekova als Desdemona, Rafael Rojas als Otello, Sarah Mehnert als Emilia und hinter dem Gitter Jordan Shanahan als Jago (© Annette Boutellier)

Diese schwer unter der häuslichen Gewalt ihres Ehemanns leidende Figur erinnert sich quasi vom stürmischen Beginn an, an die Ereignisse, ist stumme Beobachterin beim Liebesduett von Otello und Desdemona und bekommt auch leibhaft die Intrigen Iagos mit, wenn er seiner Frau das von Otello zu Boden geworfene Taschentuch entreißt.

OTELLO
Rafael Rojas als Otello (© Annette Boutellier)

Trotz allem bleibt diese beobachtende Emilia stets so im Hintergrund, dass man sie nicht bemerken würde, hätte man das Interview mit der Regisseurin nicht vor der Aufführung gelesen. Einzig am Schluss, wenn es Emilia gelingt sich von ihrem Mann zu emanzipieren und diesem am Ende der Oper ersticht, widerspricht das den Intentionen Verdis und Boitos. Besonders Letzterer war vom Bösen – was sich durch sein gesamtes künstlerisches Schaffen zieht – äußerst fasziniert und wollte im Falle der Figur des Iagos, einer Personifizierung des Bösen im Menschen, am Ende dessen ungestraftes Überleben, da er die Ansicht vertrat, das Böse überlebe immer ungestraft…

Dies war jedoch der einzige Kritikpunkt an der Inszenierung. In einem im maurisch gestalteten Halbrund, bei dem die Wände bedrohlich immer enger zusammenrücken und die Decke schließlich klaustrophobisch tief nach unten rückt dürfen die Sänger sich ganz auf ihre Gesangskunst konzentrieren.

Otello
Rafael Rojas als Otello, ihm zu Füssen Evgenia Grekova als Desdemona und hinten Sarah Mehnert als Emilia (© Annette Boutellier)

Die prächtigen und liebevoll gearbeiteten Renaissance-Kostüme sind nicht nur ein absolutes Fest für die Augen, sondern rücken das Bühnengeschehen in die Nähe von Shakespeare’s Globe Theatre. Die Personenführung ist detailliert, empathisch und liebevoll. Auch musikalisch kann sich die Aufführung mehr als hören lassen: Rafael Rojas ist in der Titelrolle eine absolute Wucht. Zu keinem Zeitpunkt hört man ihm an, dass er die Premiere vor einer Woche noch hatte absagen müssen: Mit elegant geführten metallischen Tenor gelang ihm bereits ein phänomenaler Einstand mit dem Esultate, mit viel Kraft gestaltete er die schwierigen Ausbrüche des zweiten Aktes (Sangue!), sowie die berührende Schlussarie, als er bei “Un Baccio” zu jener Süsse fand, die dieser Moment trotz des grausamen Bühnengeschehens verlangt. Jordan Shanahan ist ein Iago auf Augenhöhe, er gestaltete sein Credo mit Kräftigem Bariton und ausgezeichnet gestalteten belcantesken Bögen. An diesen mangelte es auch Evgenia Grekova in der Rolle der Desdemona nicht. Ihr lyrischer Sopran blühte in der Höhe auf, und fand im Lied von der Weide und dem folgenden “Ave Maria” zu einer Innigkeit und Intensität, sodass man die Spannung im Saal regelrecht spüren konnte.

Otello
Sarah Mehnert als Emilia, oben rechts Jordan Shanahan als Jago und Chor Konzert Theater Bern (© Annette Boutellier)

Auf hohem Niveau gab Sarah Mehnert die in der Produktion stark aufgewertete Emilia, Nazaryi Sadivskyy viel mit angenehm geführtem Tenor als Cassio auf, während Andries Cloete der undankbaren Rolle des Roderigo zu Profil verhalf. Auf rundum höchstem Niveau sangen und spielten Young Kwon als Ludovico und Philipp Mayer als Montano, während Louis Morvan seinen kurzen Auftritt als Herold zu Beginn des dritten Aktes stimmschön wahrnahm. Der von Csolt Czetner einstudierte Chor des Konzert Theater Bern war durch die Corona-Regeln dazu bestimmt mit Maske zu singen, was jedoch Klangpracht und Spielfreude keinerlei Abbruch tat. Da war die Wucht des die Oper einleitenden Sturmes ebenso musikalisch spürbar, wie die bezaubernde, von Mandolinen begleitende Exotik, wenn die Zyprioten im zweiten Akt die wie eine Heilige kostümierte Desdemona begrüssen. Auch das von Fanfaren begleitete “Evviva il Leon di San Marco” im Finale des dritten Aktes wurde mit einer Wucht ins Auditorium geschleudert wie man es selten zu hören bekommt. Matthew Toogood sorgte am Pult des Berner Symphonie Orchesters mit straffen Tempi für eine spannende, opulente und abwechslungsreiche Wiedergabe von Verdis meisterhafter Partitur, wobei viele Details ausgezeichnet herausgearbeitet waren, wie etwa das unheimliche Kontrabassmotiv vor dem Mord an Desdemona. 


Das Theater Bern hat mit diesem Kraftakt wirklich bewiesen, dass man trotz Corona ganz grosse Oper ohne irgendwelche Abstriche machen kann. Diese Produktion hat das Potential zu einem Renner zu werden, man sollte sie wirklich gesehen haben.

 

Marco Ziegler
19-10-2020

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Marco Ziegler
Marco Ziegler

REVIEWER

Marco Ziegler, based in Zürich, went to the opera from the age of 10 and has a keen eye and ear for the developments of the last few decades. Favourite genre: Italian Opera. Favourite operas: Aida, Don Carlo and La Forza del destino.

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Willem
Willem
1 maand geleden

Heerlijk om te lezen en prachtige foto’s. 🎼🌷🌷🌷🌷🎼