In Iphigénie en Tauride konnte der wunderschöne lyrische Tenor von Fredederic Antoun, dessen grosse Arie am Ende des dritten Aktes zu einem wahren Highlight geriet, uneingeschränkt überzeugen.

 

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Iphigénie en Tauride (Iphigenia in Tauris) von Christoph Willibald von Gluck. Tragödie in vier Akten. 1779. Deutsche Fassung von 1781. Libretto von Nicolas-François Guillard, nach dem Stück von Guymond de la Touche, nach Euripides. Uraufführung an der Pariser Opéra am 18. Mai 1779.
Besuchte Vorstellung: 4. Februar 2020, Zürich

Iphigénie: Cecilia Bartoli (sopraan)
Oreste, Iphigénies Bruder: Stéphane Degout (bariton)
Pylade, Orestes Freund: Frédéric Antoun (tenor)
Thoas, König von Tauris: Jean-François Lapointe (bas)
Diane: Birgitte Christensen (sopraan)
Femme Grecque: Katia Ledoux (sopraan)
Die junge Iphigénie: Sophie Kapun
Der junge Oreste: Immanuel Otelli

Orchestra La Scintilla
Chor der Oper Zürich
Statistenverein am Opernhaus Zürich

Musikalische Leitung: Gianluca Capuano
Inszenierung: Andreas Homoki

Muziek:
Regie:

Christoph Willibald Glucks 1779 in Paris uraufgeführte Oper Iphigenie en Tauride stellt nach Iphigenie in Aulis die zweite Beschäftigung des Komponisten mit dem blutrünstigen Schicksal des von einem Fluch verfolgten  Atriden-Geschlechts der griechischen Mythologie dar: Nach ihrer Errettung von ihrer Opferung durch ihren eigenen Vater Agamemnon, dient Iphigenie in Tauris, fernab ihrer Heimat Mykene als Priesterin der Diana und wird durch den Tyrannen Thoas dazu angehalten, jeden Fremden zu opfern, da Thoas in einer Prophezeiung erfahren hat, dass er durch die Hand eines Fremden sterben werde. Orest, der Bruder Iphigenies, strandet während eines Sturms zusammen mit seinem engen Gefährten Pylades in Tauris, nachdem er seine Mutter Klytämnestra ermordet hat, um wiederum deren Mord an seinem Vater Agamemnon zu rächen. Ganz im Sinne der Aufklärung des späten 18. Jahrhunderts, findet sich Iphigenie, die ihr persönliches Schicksal mit den Fremden aus ihrer Heimat verknüpft, dem Konflikt zwischen Pflicht und Gewissen ausgesetzt, als sie den Tötungsbefehl von König Thoas verweigert, um einen der beiden Fremden mit einer Nachricht an ihre noch lebende Schwester Elektra nach Mykene zu schicken. Während Orest geopfert werden soll, kehrt der ihm in tiefster Verbundenheit zugetane Pylades zurück und tötet Thoas, woraufhin die Göttin Diana selbst erscheint und den Menschenopfern ein Ende setzt und Orest seine Schuld vergibt. Auch Iphigenie darf in ihre Heimat zurückkehren.

Foto: Monika Rittershaus

Ruhige Personenführung

Für seine Inszenierung hat sich Opernhaus Intendant Andreas Homoki für einen sparsamen, eleganten Weg entschieden. Sein Ausstatter Michael Levine hat ihm dazu eine schwarze, sich nach hinten verjüngende Guckkasten-Bühne entworfen, welche immer wieder aufbricht und in der blitzartige Lichteffekte (Franck Evin), die Interventionen der Götter und die Emotionen der Protagonisten symbolisieren. Anders als in seinen anderen Inszenierungen verzichtet Homoki in dieser Produktion – bis auf einige Verdoppelungen zur Versinnbildlichung der blutigen Vorgeschichte- ganz auf jegliche Überzeichnung oder Hyperaktivismus.

Die Personenführung ist ruhig, empathisch und lässt die Musik atmen. Gelungen sind dabei auch die überwiegend schwarzen strengen Kostüme, welche Mythologie und das 18. Jahrhundert auf zeitlose Weise miteinander verschmelzen lassen. Die finale Intervention der Göttin Diana interpretiert Homoki als Erscheinung des Geistes der Mutter Klytämnestra, die bereits zuvor die sich abspielende Tragödie stumm beobachtete.


Etwas enttäuschend

Dass der Funke an dem besuchten, pausenlosen Abend nicht so recht überspringen wollte, lag insbesondere an der musikalischen Interpretation. Die aktuelle Neuinszenierung war indes extra für Cecilia Bartoli angesetzt. Die in Zürich hochgeschätzte und regelmässig bejubelte Star-Mezzosopranistin hatte sich gewünscht, an ihrem Stammhaus in der Rolle der unglücklichen Iphigenie debütieren zu dürfen. Leider geriet dieses Rollendebut für mich etwas enttäuschend. Bartolis weicher Mezzo besitzt immer noch sein unverkennbares Timbre, leider gelingen jedoch die Übergänge von der Mittellage zur Höhe nicht mehr so sauber, die Stimme neigt insbesondere bei den höheren Lagen zu einem nicht mehr überhörbaren Tremolo. Wenn Bartoli in den leisen Passagen ihren Atem ungehindert strömen lässt, gelingen wunderbare, ja magische Klang-Momente, in den lauteren Passagen neigt die Stimme leider dazu, vom Orchester zugedeckt zu werden. Darstellerisch dagegen lief Bartoli im Verlauf des Abends zu Hochform auf und verkörperte eine introvertierte, zutiefst zerrissene und verzweifelte Frau. Stephan Degout gab einen darstellerisch blassen, jedoch stimmlich markanten Orest, dessen Bariton gelegentlich zu einem rauen Klang neigt.

Foto: Monika Rittershaus

Uneingeschränkt überzeugend

Uneingeschränkt überzeugen konnte dagegen der wunderschöne lyrische Tenor von Frédéric Antoun, dessen grosse Arie am Ende des dritten Aktes zu einem wahren Highlight geriet. Als Thoas konnte Jean-Fracois Lapointe mit markantem Material überzeugen, während der kurze Auftritt von Birgitte Christensen als Diana am Ende der Oper aufhorchen ließ. Es wird spannend sein, wenn diese Sängerin in späteren Aufführungen die Iphigenie von Cecilia Bartoli übernehmen wird. Das Orchester La Scintilla unter Gianluca Capuano machte seinem Namen in diesen zweiten Vorstellungen keine Ehre – der Funke wollte einfach nicht zünden. Lag es an der zu genauen, ja akademischen Einstudierung?

Marco Ziegler
(06-02-2020)


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Marco Ziegler
Marco Ziegler

REVIEWER

Marco Ziegler, based in Zürich, went to the opera from the age of 10 and has a keen eye and ear for the developments of the last few decades. Favourite genre: Italian Opera. Favourite operas: Aida, Don Carlo and La Forza del destino.

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