Inzest, Untreue, Mord. Die Handlung der Walküre ist bekannt. Siegmund und Sieglinde sind Bruder und Schwester, unehelich gezeugt von Wotan, aber das wissen sie nicht, als sie sich begegnen und ineinander verlieben.

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Die Walküre. Richard Wagner. Musikdrama in drei Akten von Richard Wagner. Der erste Tag von “Der Ring des Nibelungen”, 1856. Libretto des Komponisten. Uraufführung im Königlichen Hof- und Nationaltheater, München, am 26. Juni 1870. Besuchte Vorstellung: 4. Oktober 2020. Deutsche Oper Berlin.
 

Siegmund: Brandon Jovanovich
Hunding: Andrew Harris
Wotan (szenisch): John Lundgren
Wotan (musikalisch von der Seite): Johan Reuter
Sieglinde: Lise Davidsen
Fricka: Annika Schlicht
Brünnhilde: Nina Stemme
Helmwige: Flurina Stucki
Gerhilde: Aile Asszonyi
Ortlinde: Antonia Ahyoung Kim
Waltraute: Irene Roberts
Siegrune: Ulrike Helzel
Roßweiße: Karis Tucker
Grimgerde: Nicole Piccolomini
Schwertleite: Beth Taylor
Hundingling: Eric Naumann

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Inszenierung: Stefan Herheim

Muziek:
Regie:

Es gibt eine Vorgeschichte. Die Walküre ist der zweite von vier Teilen des Rings. Das Rheingold der erste, doch der eigentliche Ursprung für die Handlung liegt viel früher. Wotan war nicht bereit, sich zwischen Liebe und Macht zu entscheiden. Er wollte beides und hat, um Weisheit zu empfangen, sogar ein Auge geopfert. Ursache für alles Leid, welches hier sichtbar wird. Der Name Wotan ist bei Richard Wagner Variante des germanischen Gottes Wodan/Odin. Wagner bezeichnete das Wesen seiner Figur als „Summe der Intelligenz der Gegenwart.“

Inzestuöse Vereinigung

Seiner Frau, Fricka, war Wotan nie treu. Ein Zwillingspaar, Siegmund und Sieglinde, hat er außerehelich mit einer Menschenfrau gezeugt. Die geliebte Frau wurde ermordet, das Haus abgebrannt, die Tochter verschleppt und zwangsverheiratet mit Hunding. Der Sohn wurde als Wölfling maskiert größter Not ausgesetzt und gejagt. In seiner Verzweiflung sucht er Hilfe in Hundings Hütte und trifft dort auf die unglückliche Sieglinde, Mutter eines behinderten Kindes. Beide verlieben sich sofort. In inzestuöser Vereinigung zeugen sie einen Sohn, Siegfried.

Die Walküre
Die Walküre: Jovanovich, Davidsen, Naumann

Als Hunding von der Jagd heimkehrt, erkennt er in Siegmund den gesuchten Feind. Dennoch gewährt er ihm für eine Nacht Gastrecht, fordert ihn für den nächsten Tag jedoch zum Kampf heraus. Wotan schickt Brünnhilde, eine seiner neun unehelichen Walküren-Töchter, den Sohn im Kampf zu beschützen. Sieglinde gibt ihrem Mann ein Schlafmittel und zeigt Siegmund ein Schwert. Als Siegmund es aus dem Stamm zieht, erkennen beide, dass sie Zwillinge sind und fallen sich in die Arme. Sie blond, langhaarig, im weißen Slipdress, er männlich-lässig mit kinnlangem Haar. Irgendwann liegt er auf ihr. Das missfällt Fricka, der Schutzgöttin der Ehe, des Lebens und der Mutterschaft. Sie zwingt Wotan, dem Ehebrecher Siegmund den Schutz im Kampf mit Hunding zu entziehen und erzwingt den Tod seines außerehelichen Sohnes.

Nicht bei Stimme

Zu Beginn des zweiten Aktes wird mitgeteilt, dass John Lundgren nicht bei Stimme ist, den Wotan nur spielen kann. Die Stimme bekommt er vom eigens aus Dänemark eingeflogenen Bassbariton Johan Reuter, der in großen Wagner-Partien von Bayreuth, Salzburg bis China zu Hause ist und in der Vergangenheit bereits an der Deutschen Oper mehrfach aufgetreten, folglich mit Dirigent und Orchester vertraut ist. Links am Bühnenrand, schwarz gekleidet, singt er vom Blatt, sauber, sicher. Er ist eine optisch und stimmlich charismatische Erscheinung, wird auch ohne Probe an diesem Abend seinem Ruf als einer der derzeit großen Wagner-Interpreten gerecht.

Volle Theatralik

Brünnhilde, eine der neun Walküren, alle von Wotan unehelich gezeugt, schwebt dank Hebebühne vom Olymp im schwarzen Orchesterflügel herab. Mit Goldkorsage und Flügelchen am Helm, verkündet sie Siegmund, dass er sterben werde („Todesverkündung“). Die Verzweiflung der Geschwister sehend, verspricht sie Siegmund den Sieg. Im Kampf schützt Brünnhilde Siegmund mit ihrem Schild, doch Wotan zerschlägt Siegmunds Schwert. Er stirbt. Das tut er sehr ausdauernd und voller Theatralik. Bevor er den endgültigen Todesstoß erhält und sich seine Umgebung rot verfärbt, windet er sich kriechend auf dem Boden und reckt verzweifelt im Todeskampf die Hände.

Brünnhilde sucht mit Sieglinde bei den Walküren Schutz vor Wotans Zorn („Walkürenritt“). Dazu schiebt Brünnhilde Sieglinde, deren Augen verbunden sind, in den Flügel. Diesmal geht es hinab. Brünnhilde verkündet Sieglinde, dass sie ein Kind – Siegfried – in sich trage. Wotan schließt seine Lieblingswalküre, weil sie sich seinem Befehl widersetzt hat, schweren Herzens aus dem Kreis der Walküren aus, worauf diese wehklagend zusammenbricht. Bewegt verabschiedet sich der Vater von der Tochter, versetzt sie in einen tiefen Schlaf umgibt sie mit einem Feuerwall, den nur ein „freiester Held“ durchschreiten kann.

Applaus und Buhrufe

Schon nach dem ersten Akt gibt es dafür nicht nur Applaus, sondern zahlreiche Buhrufe. Der Flügel und die Hebebühne darunter werden im Laufe des Abends leider zu häufig eingesetzt, so dass die Effekte mehr parodistischer Slapstick als gelungene Überraschung sind. Wotan wirkt eher wackelig, wenig kraftvoll und nicht schwindelfrei, wie er mit Leuchtspeer vom Olymp schwebt. Aus einem Betttuch wächst ein großer Baum und die Blätter bewegen sich im Wind. Das ist schön und macht Spaß. Was im ersten Akt noch gelingt, geht leider als Feuerzauber am Schluss arg daneben. Das Riesen-Betttuch will nicht lodern und die Zuschauer bleiben wenig bewegt zurück.

Die Beziehung zwischen Mann und Frau in verschiedenen Formen steht ganz klar im Zentrum des Geschehens der Walküre. Als inzestuöse Liebesbeziehung des Geschwisterpaares, die unglückliche Ehe zwischen Hunding und Sieglinde, der Ehekonflikt von Wotan und Fricka, Vater-Tochter-Beziehung Wotan und Brünnhilde. Leiden oder rebellieren? Breche ich bewusst Tabus? Agiere ich selbst oder lasse ich nur mit mir geschehen und füge ich mich? In dieser Aufführung treten diese Fragen in den Hintergrund. Das Bühnengeschehen wird aus dem Leben seines Komponisten heraus entwickelt. Neuinterpretation gibt es nicht. Fehlanzeige.

Die Walküre
Die Walküre: Lundgren, Stemme

Auch musikalisch bleiben Klang-Höhepunkte und orgiastische Zuckungen aus. Unter der Leitung von Donald Runnicles spielt das Orchester solide, sauber, ohne große Brüche, nicht zu laut, was den Sängern entgegenkommt. Die junge, sehr groß gewachsene norwegische Sopranistin Lise Davidsen als Sieglinde ist spiel- und singfreudig. Sie wirbelt über die Bühne, begeistert hemmungslos gesanglich das Publikum. Körperlich erdrückt sie fast den mit Brandon Jovanovich optisch perfekt besetzten Siegmund, der stimmlich mit seiner Schwester mithalten kann und bekannt ist für seine leidenschaftliche Darstellung. Als dramatischer Tenor, der von der Scala bis Salzburg und Wien als Wagner-Interpret zu begeistern weiß, füllt er seine Rolle auch an diesem Abend aus. Nina Stemme als Brünnhilde hat dagegen nicht nur mit ihrem Schild zu kämpfen.

Effekthascherei

Stefan Herheim inszeniert opulent mit Effekthascherei, teils gelungen-witzig, mal unfreiwillig-komisch. Sänger und Statisten, die in Alltags-Reise, Transit-30 Jahre Deutsche Einheit-Grau über die Bühne zwischen und mit Koffern in der Hand herumirren. Einige Koffer-Mauern stürzen irgendwann ein, dem Mauerfall gleich? Dann schweben sogar Koffer am Himmel. Der Sinn darin will sich mir nicht wirklich erschließen, auch wenn die Koffer das Herumreisen und die Heimatlosigkeit Wagners versinnbildlichen sollen. Überhaupt wird in dieser Aufführung viel Bezug auf den Komponisten und dessen Leben genommen. Politische oder gesellschaftliche Interpretationen dagegen vermisst man. Grau und aktuell das Erdgeschehen im Jetzt. Gold, antik, klassisch aus einer anderen Zeit der Olymp und seine Götter.

Die Walküre
Die Walküre: Schlicht, Lundgren, Stemme

Im Schlussgesang von Brünnhilde wird eines der schönsten Motive des Rings in die Welt hinausgetragen, ein hoffendes Liebesmotiv, welches zeigt, dass Erlösung immer, auch jenseits von Worten und Taten möglich ist.

In Charlottenburg scheinen andere Corona-Regeln als in Mitte zu gelten. Anders lässt sich die enge Platzierung im Saal nicht erklären. Während am Abend zuvor bei der Premiere von „Quartett“ in der Staatsoper drei Plätze zwischen jedem einzelnen Besucher frei blieben und am Mittwoch in der Komischen Oper 3 Plätze plus jede gesamte zweite Reihe, war die Deutsche Oper zu zwei Drittel voll. Nur jeder zweite Platz im ohnehin schon eng bestuhlten Haus bleib frei, doch auch das handhabte man locker. Nicht nur vereinzelt wurden die weißen Stuhlbänder entfernt und Besucher setzten sich so, wie es für sie besser passte, ohne dass eingeschritten wurde. Zwar war Mund-Nasen-Schutz auch hier Pflicht, doch auf Desinfektionsmittel, die in den beiden anderen Berliner Häusern großzügig verteilt in Toiletten und auf zahlreichen Tischen mit Krepppapier standen, wurde in der Deutschen Oper verzichtet.

Alles in allem ein stimmlich und musikalisch gelungener, aber optisch leider teils enttäuschender Opernabend nach dieser langen Zwangspause.

Daniela Debus

Weitere Aufführungen am 8. und 11. Oktober, dann wieder im November

 

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Daniela Debus
Daniela Debus

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Daniela Debus is an art historian, cultural journalist and author. Location Berlin. Wrote a book about Salomé (Hirmer Verlag). For Opera Gazet, she reviews Berlin's opera premieres.

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