Rheingold. Halbszenische, musikalisch leicht gekürzte Fassung auf dem Parkdeck der Deutschen Oper Berlin. Mit 22 Musiker*innen und 12 Sänger*innen. Musikalische Fassung von Jonathan Dove und Graham Vick für die Birmingham Opera Company. Orchestrierung von Jonathan Dove. Aufführungen nach Vereinbarung mit der Birmingham Opera Company. Premiere auf dem Parkdeck der Deutschen Oper Berlin am 12. Juni 2020.

In deutscher Sprache ohne Übertitel. 1 Stunde 50 Minuten / Keine Pause.

 

 

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Synopsis des Rings:
Das Rheingold:
Alles ist ein Chaos. / Die Walküre: Aber es gibt Hoffnung. / Siegfried: Es müssen Entscheidungen getroffen werden. / Gotterdammerung: Entscheidungen haben Konsequenzen.

Wotan: Derek Welton
Donner: Padraic Rowan
Loge: Thomas Blondelle
Alberich: Philipp Jekal
Fasolt: Andrew Harris
Fafner: Tobias Kehrer
Fricka: Annika Schlicht
Freia: Flurina Stucki
Erda: Judit Kutasi
Woglinde: Elena Tsallagova
Wellgunde: Irene Roberts
Flosshilde Karis Tucker

Orchester der Deutschen Oper Berlin
Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Regie: Neil Barry Moss

Das Rheingold – ein 5 Sterne Appetizer auf den neuen Ring an der Deutschen Oper

Mit 1885 Sitzplätzen ist die Deutsche Oper Berlin das größte der drei Opernhäuser in der Hauptstadt. Für den 12. Juni sollte sich im Haus an der Bismarckstraße der Vorhang für die Premiere des neuen Rings heben. Corona verhinderte das. Am 22. April trat die Verordnung des Landes Berlin über das Verbot von Großveranstaltungen in Kraft und beendete somit vorzeitig die Spielzeit. Doch “zum Dank für die Treue des Publikums” reduzierten der britische Komponist Jonathan Dove und Regisseur und Dramaturg Graham Vick den gigantischen Orchesterapparat auf ein Fünftel. Unter der Musikalischen Leitung Donald Runnicles wurde kurzfristig eine halb-konzertante Aufführung auf dem ans Haus angegliederten Parkdeck im Freien aufgeführt: Das Rheingold. 110 Minuten statt zweieinhalb Stunden. Jeans und Turnschuhe anstelle von Abendkleidung. Die Tickets für die sechs Abende im Juni waren innerhalb von 12 Minuten ausverkauft, so dass es drei weitere Aufführungen in der eigentlichen Sommerpause geben wird.

Rheingold
Hauptprobe von „Das Rheingold“, Deutsche Oper Berlin 2020 © Holger Jacobs/ kultur24.berlin

Tetralogie um Macht und Liebe

Das Wetter spielte mit und so konnten die jeweils 200 Besucher eine Kontroverse um Gold oder Liebe zwischen 50er Jahre Beton-Tristesse und einzigartigem Zauber unter Einbeziehung der Natur erleben.

Der Abend erinnerte an Open air Kino, nur dass man dort oft im bequemen Liegestuhl statt auf harten Klappstühlen zwischen verhüllten Abstandshaltern sitzen darf (unbedingt Kissen mitbringen!)

Alberich begehrt die Rheintöchter Floßhilde, Wellgunde und Woglinde, die in der Tiefe des Rheins einen Schatz bewachen. Ein Ring, geschmiedet aus diesem Gold, würde seinem Besitzer grenzenlose Macht verleihen, vorausgesetzt, er schwöre für immer der Liebe ab. Alberich, frustriert vom Spott der drei Schönen, raubt den Schatz.

Während es kühler und dunkler wird, Wolkenbilder vorbeiziehen und Schwärme von Vögeln über die Bühne fliegen, erwartet Wotan (Figur- und stimmgewaltig: Derek Welton) mit den anderen Göttern die Fertigstellung der Burg Walhall, deren Bau er bei den Riesen Fasolt und Fafner in Auftrag gegeben hat. Als Lohn hatte er ihnen die eigene Schwester versprochen, die Göttin Freia, doch als es ans Bezahlen geht, versucht er, einen Deal auszuhandeln. Der Halbgott Loge erzählt von einem Nibelungenschatz. Die Riesen lassen sich darauf ein und durch eine List gelingt es ihnen, dem Zwerg Alberich dessen Schatz zu rauben und ebenso den Macht verleihenden Ring. Doch sie geraten in Streit, wer was bekommen soll. Fafner erschlägt seinen Bruder. Er flüchtet. Wotan und die Götter beziehen ihre Burg.

Operngenuss light

Richard Wagner forderte einst über 100 Musiker, eine Besetzung, die kleinere Häuser weder finanziell noch produktionstechnisch stemmen können. Das brachte das Duo Dove/Vick 1990 dazu, für die Birmingham Opera Company eine abgespeckte Fassung dieses Opus Magnum zu schaffen, mit welcher der Ring auch auf Reisen gehen kann. Weniger Gesangspartien, minimum 18 Musiker, nur zehn statt 16 Stunden Spielzeit. Die Kammerfassung im Stockland Green Leisure Centre in Birmingham war ein voller Erfolg und tourt nun schon seit 30 Jahren in verschiedenen Varianten durch die Welt.

Sensationell besetzt

Auch in Berlin hat der Abend bestens funktioniert. Die Rollen sind sensationell besetzt. Der Bariton Derek Welton im Goldmantel gilt zu Recht als einer der derzeit vielversprechendsten Wagnersänger seiner Generation. Annika Schlicht wird auch im neuen Ring von Stefan Herheim als Fricka debütieren. Thomas Blondelle ist seit über 10 Jahren festes Ensemblemitglied an der Deutschen Oper und hat die Herzen der Zuschauer längst erobert. Flurina Stucki als Freia hat einen betörenden Sopran, der besonders in den Höhen bezaubert und immer wieder durch sein Volumen überrascht.

Das macht Spaß

Die Instrumente erklingen diesmal nicht aus einem Orchestergraben, sondern sind im Hintergrund der Bühne auf einem Podest arrangiert. Auf den ersten Blick hat all das wenig mit großer Oper oder Rheinromantik zu tun, doch die flirrenden Paillettenminis mit passenden Stirnreifen über lang wallenden Haaren, das reduzierte, aber sehr nuancierte Spiel in Kombination mit Selbstironie (Zitat: “Das ist ja gar keine richtige Oper”), die Kostüme und Dekorationen der Werkstätten des Bühnenservice der Stiftung Oper, aufsteigender Nebel, die Einbeziehung des Zuschauerraumes und der umliegenden Fenster, Dramatik und leise Töne, große Roben und subtile Gesten, Goldlametta aus Pistolen geschossen, das macht Spaß, da kommt Freude auf. Endlich wieder Spiel und Gesang vor Publikum. Davon wünschen wir uns mehr.

Rheingold
©Jörg Carstensen

Anknüpfend an diese halbszenische Rheingold-Aufführung haben Musiker und Musikerinnen des Orchesters einen Film gedreht, bei dem es um Werke anderer Komponisten geht, die alle in Wagners DER RING DES NIBELUNGEN von zentraler Bedeutung sind. Premiere ist am 22. Juni um 19 Uhr: „Männer, Mythen, Märchen“, ein 50-minütiger Kammermusikfilm. Danach online abrufbar.

Weitere Rheingold-Aufführungen auf dem Parkdeck am 21., 22. und 23. August.

 

Daniela Debus

(21-06-2020)

Faust

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Daniela Debus

Reviewer

Daniela Debus is an art historian, cultural journalist and author. Location Berlin. Wrote a book about Salomé (Hirmer Verlag). For Opera Gazet, she reviews Berlin's opera premieres.

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