ARABELLA in Zürich: Nylund warf sich mit Vollengagement in ihre Rolle und begeisterte mit großartigen, silbrig gefärbten Strauss-Bögen und bruchlos geführten Höhen.

 

You can have any review automatically translated. Click the Google Translate button (“Vertalen”), which can be found at the top right of the page. In the Contact Page, the button is in the right column. Select your language at the upper left.

 

Arabella ist eine Oper in drei Aufzügen von Hugo von Hofmannsthal (Libretto) und Richard Strauss (Musik; op. 79). Das Werk ist die letzte Frucht der langjährigen Zusammenarbeit der beiden Künstler. Die Uraufführung fand am 1. Juli 1933 in der Dresdner Staatsoper statt.
Besuchte Aufführung: 11-03-2020, Opernhaus Zürich.
Arabella: Camilla Nylund
Graf Elemer: Paul Curievici
Graf Dominik: Yuriy Hadzetskyy
Graf Lamoral: Daniel Miroslaw
Die Fiakermilli: Aleksandra Kubas-Kruk
Eine Kartenaufschlägerin: Irène Friedli
Ein Zimmerkellner: Luca Bernard
Djura: Andy Haueter
Jankel: Nick Lulgjuraj

Oper zur Zeit der Corona-Krise – so könnte man die vierte Aufführung der Neuinszenierung von Richard Strauss Oper Arabella am Opernhaus Zürich betiteln. Das Opernhaus, welches zur Zeit Aufführungen für nur maximal 900 Zuschauer anbietet, bot am besuchten Abend ein ungewöhnliches Bild: Gelichtete Parkettreihen, nur wenige Ansteher an der Abendkasse und  fast vereinzelte Leute, die sich in den sonst so gut besuchten Foyers aufhielten, verliehen dem Opernabend  im Vorfeld eine ganz eigenartige, leicht gedrückte Stimmung.

Arabella
Foto © Toni Suter

Einfühlsame Personenregie

Als sich jedoch der Vorhang hob, war alles (fast) wie immer und man vergass den angsterregenden Alltag, mit dem man sonst täglich in den Medien konfrontiert ist, fast vollständig. Dazu war auch jeder Grund gegeben: Ausstatter  Gideon Davey hatte ein Bühnenbild entworfen, wie man es am Opernhaus Zürich in dieser Detailverliebtheit nur selten in der letzten Zeit erleben durfte: Da stand wirklich eine Hotelhalle aus der K.u.K.-Zeit in mit mehreren Stockwerken in warmen Rottönen auf der Bühne, auch die Kostüme – man hatte das Stück aus der Zeit um 1860  in die Entstehungszeit der Oper versetzt – waren überaus geschmackvoll und luxuriös. Man fragte sich natürlich, ob diese Zeitverlegung, die man schon bei zahlreichen Arabella Inszenierungen gesehen hat, wirklich zum Verständnis des Stückes etwas beitrug, allerdings, tat sie dem Genuss dieser lyrischen Komödie von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal keinen Abbruch und vermittelte auf treffliche Weise die Atmosphäre eines dekadenten Wiens und dem Schicksal  einer verarmten Adelsfamilie. Die Personenregie des international gefragten Regisseurs Robert Carsens war einfühlsam und sängerfreundlich gestaltet, ein zur Türe hereinwehender Schneesturm hatte hohen Schauwert und entließ das Publikum begeistert in die Pause.

Nazi-Symbole

Dann jedoch nach der Pause hatte man den Ballsaal des Hotels eingerichtet: Als erstes stachen dem Zuschauer imposante Hakenkreuzflaggen ins Auge, zahlreiche männliche Gäste auf dem auf den Fiakerball trugen Wehrmachtsuniform und eine entsprechende rote Binde um den Arm.

Es wird klar, dass in dieser Inszenierung der Oper Arabella ihr Uraufführungsjahr 1933 zum Verhängnis wird und Robert Carsen die rührselige Geschichte dieser letzten Zusammenarbeit von Strauss und Hofmannsthal vor dem Hintergrund des Anschlusses Österreich stattfinden lässt. Das ist für uns völlig inakzeptabel, da es zum einen nichts mit dem Werk selbst zu tun hat und zum anderen die hier völlig ungebrochene Darstellung von Nazi-Symbolen in dieser Form eine Respektlosigkeit gegenüber der Opfer des Nationalsozialismus darstellt. Unfreiwillig komisch geriet dagegen die Choreografie von Philippe Giraudeau, wenn deutsch-österreichisch-nationale Burschen in Trachten auf dem Fiakerball zu Schuhplattlern beginnen und die Fiaker-Milli (etwas dünnstimmig: Aleksandra Kubas-Kruk) als blond-nationales Mädel im Dirndl mittendrin sitzt. Auch die mehrfache Ausführung des Hitlergrusses hätte so auf einer Opernbühne nicht stattfinden sollen. Nach dem wiederum gelungen inszenierten dritten Akt, stürmen nach der Schlussszene von Arabella und Mandryka bewaffnete Nazis in die Hotelhalle: Klar wird, dass der Familie des Grafen Waldner trotz der reichen Heirat von Arabella keine gute Zukunft beschert sein wird……

Arabella
Graf Waldner (Michael Hauenstein), Adelaide (Judith Schmid). Foto © Toni Suter.

Wahre Highlights

Ursprünglich war die Premiere für Julia Kleiter in der Titelrolle angesetzt worden, welche sich jedoch im Vorfeld der Premiere krankmeldete, sodass in dieser vierten Vorstellung in der Titelpartie bereits von der dritten Interpretin verkörpert wurde. Glücklicherweise konnte für die besuchte Vorstellung mit Camilla Nylund eine der besten Strauss-Interpretinnen gewonnen werden, welche erst am Morgen aus Dresden in Zürich eingetroffen war und den ganzen Tag über intensiv geprobt hatte. Nylund warf sich mit Vollengagement in ihre Rolle und begeisterte mit großartigen, silbrig gefärbten Strauss-Bögen und bruchlos geführten Höhen. Da waren die wunderbaren Arien “Aber der Richtige” und “Du wirst mein Gebieter sein” wahre Highlights. Rundum grossartig auch der Bariton Josef Wagner als Mandryka, der diesem Charakter sehr sympathische und sensible Züge verlieh und noch einmal in der Schlussszene gemeinsam mit Camilla Nylund alles gab. Valentina Farcas war eine sympathische, liebliche und berührende Zdenka, der man das Leid als Junge Zdenko leben zu müssen, vom ersten Moment abnahm. Ein ebenfalls sehr sensibler und schönstimmiger Matteo war Daniel Behle, dessen Verwirrung und Überforderung am Ende sehr glaubhaft dargestellt wurde. Ein hinreißend tragisch komisches Elternpaar Waldner wurde von Michael Hauenstein und Judith Schmid gesungen und dargestellt, die drei Verehrer von Arabella, die Grafen Dominik, Lamoral und Elemer waren bei Paul Curievici, Yuriy Hadzetskyy und Daniel Miroslaw in den besten Händen, Irène Friedli eine ausgezeichnete Kartenaufschlägerin. Ausgezeichnet sang der Chor, einstudiert von Ernst Raffelsberger, während die Philharmonia Zürich unter Generalmusikdirektor Fabio Luisi am besuchten Abend, vielleicht als Folge der Corona Krise, etwas unkonzentriert musizierte und teilweise dazu neigte, die Sänger zuzudecken.

 

Am Ende gab es stürmischen Applaus für Camilla Nylund und alle Beteiligten für einen wirklich sehenswerten Opernabend, der nur durch die völlig überflüssige Nazi-Nummer getrübt wurde.

 

Marco Ziegler
(13-03-2020)


0 0 stem
Artikelbeoordeling
Marco Ziegler
Marco Ziegler

REVIEWER

Marco Ziegler, based in Zürich, went to the opera from the age of 10 and has a keen eye and ear for the developments of the last few decades. Favourite genre: Italian Opera. Favourite operas: Aida, Don Carlo and La Forza del destino.

Abonneer
Laat het weten als er
guest
4 Reacties
Oudste
Nieuwste Meest gestemd
Inline feedbacks
Bekijk alle reacties
Willem
Willem
7 maanden geleden

@Marco: Verzoek om de stem soorten van de solisten te benoemen?

Olivier Keegel
Beheerder
7 maanden geleden
Antwoord aan  Willem

Arabella sopraan
Zdenka sopraan
Waldner bas
Adelaide mezzo-sopraan
Mandryka bariton
Matteo tenor
Elemer tenor
Dominik baritone
Lamoral bas
Fiakermilli sopraan
Fortune-teller sopraan

Kersten van den Berg
Kersten van den Berg
7 maanden geleden
Antwoord aan  Willem

Ooit heb ik me -zonder succes- met hetzelfde verzoek tot DNO`s Odeon gericht. Niet iedereen is immers even doorgewinterd op het gebied van operarollen en zangersnamen. En wat in geval van een wereldpremière met jou onbekende zangers? Bij het doornemen van de synopsis is informatie over het stemtype van de personages onontbeerlijk.

Ad Middendorp
Ad Middendorp
7 maanden geleden

Erstaunlich, dass diese Nazi-Bilder unnötig gezeigt werden. Leider für die schöne Darstellung die Sie so geschickt beschrieben haben.