»Ein besseres Plädoyer gegen den gerade auch in Berlin wieder ansteigenden Antisemitismus als einen solchen Liederabend, der einen wichtigen Teil der jüdischen Kultur auf ebenso sympathische wie mitreißende Weise vorstellt, kann man künstlerisch nicht halten,« lautete das Resümee des Deutschlandfunks anlässlich der Vorstellungen 2018. Nun kehrt der gefeierte Liederabend »Farges mikh nit – vergiss mich nicht« nach einem erfolgreichen Gastspiel beim Edinburgh International Festival 2019 in die Komische Oper Berlin zurück. Gemeinsam mit den Sängerinnen Alma Sadé und Helene Schneiderman widmet sich Intendant Barrie Kosky am Klavier am 12. Oktober wieder den Liedern der jiddischen Operette, einer fast vergessenen Gattung. Eine weitere Vorstellung folgt am 12. Januar 2020.
Barrie Kosky. Foto: Jan Windzus.
Die jiddische Operette ist eine heute nahezu unbekannte Gattung. Ihre Autoren und Komponisten, zum größten Teil aus Osteuropa stammend, emigrierten unter dem Druck der dortigen Pogrome Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA. Dort stellten sie dem noch in den Kinderschuhen steckenden amerikanischen Musical und der aus Europa importierten Operette ein drittes Genre gegenüber: die jiddische Operette. Ihre Lieder handeln nicht selten vom Exil, von Einsamkeit und Heimweh: »Wo du auch sein magst – farges mikh nit!« »Vergiss mich nicht!« – Unter diesem Titel erklingen u. a. Stücke von Joseph Rumshinsky, Alexander Olshanetsky, Sholom Secunda, Abraham Ellstein oder dem »jiddischen Shakespeare« Abraham Goldfaden.
Das Programm war bereits 2015 und 2018 an der Komischen Oper Berlin sowie im Sommer 2017 an der Staatsoper Stuttgart zu erleben. Weitere Gastspiele sind in Planung.

Telmora Novakov
Telmora Novakov

Desk editor

Telmora Novakov keeps up with the news for Opera Gazet. At the urgent request of the editor-in-chief, she has put the separation of facts and opinions completely behind her.

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