Giulio Cesare in Egitto (St.Gallen) – Großartig!

Giulio Cesare in Egitto. Oper von Georg Friedrich Händel. Händel schrieb mit seinem Beitrag für die Opernspielzeit 1723/24 der Royal Academy of Music, Giulio Cesare in Egitto, vielleicht das am konsequentesten ausgearbeitete Beispiel einer barocken Heldenoper.

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Giulio Cesare: Terry Wey
Cleopatra: Tatjana Schneider
Tolomeo: Luigi Schifano
Sesto Pompeo: Jennifer Panara
Cornelia: Sonja Runje
Achillla: Samuli Taskinen
Nireno: Vasily Khoroshev
Curio: David Maze

Musikalische Leitung: Rubén Dubrovsky
Sinfonieorchester St.Gallen
Statisterie des Theaters St.Gallen

Inszenierung: Fabio Ceresa

Musik: *5*
Regie:  *5*

Anders als die meisten anderen Theatern der Schweiz hat das Theater St. Gallen im Rahmen des corona-bedingten Teil-Lockdowns im November und Dezember seine Spieltätigkeit nicht aufgegeben. So werden zu den Vorstellungen, die auf Grund der Sanierung des Theaters in einem nebenan liegenden Provisorium “UM!BAU” gegeben werden, nun gemäss der Corona-Regeln des schweizerischen Bundesrats genau 50 Zuschauer zugelassen. In dem angenehmen provisorischen Theaterbau mit überraschend guter Akustik sind so etwa drei bis vier Personen pro Sitzreihe verteilt, was im ersten Moment etwas ungewohnt oder gar befremdlich anmutet. Hat man sich jedoch erstmal an diese ungewöhnliche Situation gewöhnt, erlebte man in der Vorstellung von Georg Friedrich Händels Giulio Cesare in Egitto einen in jeder Hinsicht herausragenden Opernabend, der den Vergleich mit grossen, international ausgerichteten Opernhäusern nicht scheuen braucht.

Giulio Cesare in Egitto
Raffaele Pe / Bild: Iko Freese

Georg Friedrich Händels Giulio Cesare 1724 in London uraufgeführte Oper gehört heute zu den beliebtesten Opern des Komponisten. Wie alle Opern von Georg Friedrich Händel geriet Giulio Cesare in Egitto bald nach der gefeierten Uraufführung in Vergessenheit. Im 20. Jahrhundert eroberte das Werk die Bühnen zurück. Es handelt von Julius Caesars Expedition nach Ägypten und einer Auseinandersetzung mit dem dortigen König Tolomeo/Ptolemäus, der nach der Enthauptung des von Cesare begnadigten Pompeo auch erfolglos versucht den Titelheld zu ermorden. Tolomeo wird schließlich von Pompeos Sohn Sesto gerächt, welcher gemeinsam mit seiner Mutter Cornelia Rache geschworen hatte. Mittendrin: Cleopatra. Die Schwester Tolomeos hat selbst Ambition auf den Thron Ägyptens und nutzt um an ihr Ziel zu gelangen die Situation einerseits um Cornelia und Sesto bei ihrer Rache zu unterstützen, andererseits verführt sie Cesare. Mit Erfolg: Beim Lieto Fine lässt Cesare Cleopatra als Königin über Ägypten ausrufen.

In seiner Inszenierung verlegt Fabio Ceresa die Handlung zwar aus der Antike in das Zeitalter des Kolonialismus des 19. Jahrhunderts, was jedoch der Logik der Handlung keinerlei Abbruch tat. So blieb das Bühnenbild von Massimo Checchetto ganz der Tradition des Barocktheater verpflichtet, es wurde mit farbenprächtigen gemalten Bühnenprospekten und Elementen des Papiertheaters gearbeitet, was auf der Bühne eine Prachtentfaltung zur Folge hatte, wie sie bereits zu Händels Zeiten die Begeisterung des Publikums erregt haben dürfte.

So bekommt man als Zuschauer innerhalb von Sekunden des Umbaus einen Urwald, einen Harem, eine Bibliothek und Cesares Zimmer in einer Herberge zu sehen, wobei die Bühnentechnik eine grosse Virtuosität bewies. Auch Giuseppe Pallelas fantastische, farbenfrohe und glitzernd-orientalische Kostüme waren wahre Hingucker und boten immer wieder optische Überraschungen.

Der Regisseur erspart dem Publikum dankenswerterweise jegliche Aktualisierung, Politisierung,  oder Pseudo-Psychologisierung dieser Barockoper. Ein Dinosaurier, wie man ihn einst bei einer zu Unrecht von der Presse hochgelobten Inszenierung in München ertragen musste, gab es so in St. Gallen glücklicherweise nicht zu sehen. Stattdessen durfte sich das Publikum – viel passender-  an einem gemalten Elefanten erfreuen, welcher mehrfach über die Bühne geschoben wurde und auf dessen Rücken in der Schlussszene von Giulio Cesare erklommen wurde.

Giulio Cesare in Egitto
Tatjana Schneider, Statisterie / Bild: Iko Freese

Auch musikalisch erwies sich die Aufführung nicht nur für Barock-Liebhaber als Fest. Der Countertenor Terry Wey zelebrierte in der Titelrolle jede Note, sein Altus Timbre war warm und voll, während auch die bei Händel so wichtigen virtuosen endlosen Reihen von Koloraturen mit einer Lockerheit und Selbstverständlichkeit gesungen wurden, wie man es selten erlebt. Das die Oper einleitende „Presti omai l’Egizia terra“ und „Se in fiorito ameno prato“ sowie „Al lampo dell’armi“ begeisterten uneingeschränkt. Einen würdigen Gegenspieler besass er mit dem Countertenor Luigi Schifano als Tolomeo der in seinen hinreißenden Kostümen und etwas heller timbrierter Stimme, ein glaubwürdiges Portrait des ägyptischen Königs zeichnete. Tatjana Schneider war darstellerisch und musikalisch eine in jeder Hinsicht verführerische Cleopatra, deren berühmte Arie „V’adoro pupille“, die sich mit Volleinsatz in ihre Rolle warf und sich selbst in der Verkleidung der Dienerin Lydia ganz königlich gab. Jennifer Panara sang mit warmem fließendem  Mezzosopran einen ausgezeichneten Sesto, dem sowohl Trauer als auch Rache am Tode seines Vaters Pompeo zu jedem Zeitpunkt glaubwürdig abgenommen wurden. Als dessen Mutter Cornelia zeichnete Sonja Runje Rollenportrait, dass von großer stimmlicher und darstellerischer Würde geprägt war. Als intriganter Achilla war Samuli Taskinen zu hören, der mit mächtigem Bassbariton auftrumpfte und so seine Akzente setzte. Höchstes Niveau boente  auch der Nireno von Vasily Khoroshev der Curio von David Maze.

Das in kleiner Formation spielende Sinfonieorchester St. Gallen  war um eine Barocklaute und ein Cembalo angereichert. Es spielte unter der musikalischen Leitung von Rubén Dubrovsky mit großem Schwung und Engagement, sodass man von Händels Musik von der Ouvertüre an wie elektrisiert mitgerissen wurde. Am Ende dieses 2 Stunden und 45 Minuten dauernden Abends – man hatte die Oper auf intelligente Weise leicht gekürzt – spendete das Publikum begeistert stehende Ovationen.

Marco Ziegler


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Marco Ziegler

REVIEWER

Marco Ziegler, based in Zürich, went to the opera from the age of 10 and has a keen eye and ear for the developments of the last few decades. Favourite genre: Italian Opera. Favourite operas: Aida, Don Carlo and La Forza del destino.

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